Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956520
Vorlesung. 
Erste 
während des Ringkampfes, bei dem sich, entsprechend den 
mannigfach wechselnden Anstrengungen, das Spiel der ge- 
samten Muskulatur entfalten konnte. Was Wunder, dass man 
an Stelle der leblosen, bewegungslosen Götzenbilder, die so 
lange dem religiösen Sinn genügen mussten, Wirkliche Nach- 
bildungen des lebenden, thätigen Menschen setzte, Bildsäulen, 
die Kraft und Schönheit atmeten,  Studien nach der leben- 
digen Formfülle des Gymnasium?  
Ebenso geriet mit der Vernachlässigung der Uebungen 
im Gymnasium in gleichem Masse auch die Kunst in Ver- 
fall.  Später, im Mittelalter, kommt die Kunst zurück 
zu Götzenbildern, ohne Kraft und ohne Leben, welche zwar die 
überirdische Geistesrichtung des Zeitalters in wunderbarer 
Weise veranschaulichen, aber mit wirklichen Nachbildungen 
des gut gebauten, lebendig bewegten menschlichen Körpers 
nichts gemein haben. Im Zeitalter der Renaissance entbehr- 
ten die Künstler, bei aller Anregung, die sie aus der Betrach- 
tung der Antike schöpften, doch der lebenden Quelle der 
athletischen Spiele, und wurden dadurch zu der Erkenntnis 
gedrängt, dass sie eingehender Beobachtungen durch das 
anatomische Studium des menschlichen Körpers benötigten; 
dem entspricht die Thatsache, dass die (Renaissancex, die 
Wiederbelebung der bildenden Künste, zeitlich zusammen- 
"fällt mit der mehr oder Weniger regelmässigen Ausführung 
von Sektionen, Zergliederung menschlicher Leichen. Die 
Einführung solcher Zergliederungen stiess auf verschiedene 
Schwierigkeiten. Im Jahre 1230 erliess der deutsche Kaiser 
und König beider Sizilien, Friedrich II., ein Gesetz, welches 
die Ausübung der Heilkunde denjenigen Personen untersagte, 
die nicht an menschlichen Leichen Anatomie studiert hatten. 
Obwohl der genannte Fürst wegen dieser Gesetzbestimmung 
vom Papst zweimal exkommuniziert worden war, wurden 
doch seit der Zeit in Italien regelmässig Sektionen ausgeführt, 
und hundert Jahre später, im Jahr 1316, konnte Mondini 
de Luzzi das erste Lehrbuch der Anatomie des Menschen 
nach Untersuchungen an menschlichen Leichen herausgeben;
        

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