Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1957921
Vorlesung. 
Vierzehnte 
145 
Diese Abweichungen bei den einzelnen Gestalten be- 
ruhen fast ausschliesslich auf einer grösseren oder geringeren 
Länge der Beine: mag der Mensch gross oder klein sein, 
der Rumpf mit Kopf und Hals zeigt immer nur geringe 
Längenunterschiede, dieselben treten zumeist an den Ober- 
und Uhterschenkeln hervor.  Wenn man sich die Mannich- 
faltigkeit, Welche in dieser Hinsicht vorkommt, vergegen- 
wärtigt, erkennt man, dass Gerdy selbst die Messpunkte 
an denen die Kopflängen anfangen und aufhören, sehr unbe- 
stimmt angegeben hat. Die xMitte des Oberschenkelsa, der 
xuntere Teil des Knieesa sind sehr ungenau bezeichnete 
Punkte, namentlich wenn nicht angegeben ist, wo das obere 
Ende des Oberschenkels liegt. Aber die schwankenden, 
selbst einander widersprechenden Anschauungen treten noch 
deutlicher zu Tage, wenn man die Angaben der einzelnen 
Meister überden Punkt, wo die vierte und fünfte Kopflänge 
aneinanderstossen sollen, der also die Mitte der Körper- 
länge bezeichnet, durchmustert. Ohne auf den wunderlichen 
inneren Widerspruch bei Vitruvius, welcher die Mitte der 
Körperlänge in die Nabelgegend verlegt, weiter einzugehen, 
wollen wir hier nur hervorheben, dass als Grenze zwischen 
vierter und fünfter Kopflänge einige das Schambein angeben, 
Während andere in unbestimmter Weise von der Gegend der 
Geschlechtsteile reden.  Thatsächlich liegt die Mitte der 
Körperlänge mehr oder weniger tief, je nachdem der Be- 
treffende grösser oder kleiner ist, d. h. seine Beine länger 
oder kürzer sind. 
Sappey hat festgestellt, dass bei kleinen Personen die 
Mitte der läörperlänge der Schambeinfuge entspricht. Bei 
mittelgrossen und grossen liegt sie ungefähr I 3 mm unter 
dem Schambein, d. h. am Grunde des männlichen Gliedes. 
Sie kann aber noch tiefer liegen, und die Künstler des Alter- 
tums haben sie oft noch tiefer nach unten verlegt;  xje 
mehr die Gestalt sich hebt, um so mehr sinkt ihre Mitte 
unter die Schambeinfuge und eine erhabene Gestalt gebührt 
den Bildnissen der Heroen und Göttera (Sappey). 
Duval, Grundriss. 10
        

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