Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956492
Vorlesung. 
Erste 
auch Anatomie der Körperformen, Anatomie 
für 
Künst- 
ler genannt. 
Diese, die Anatomie der Körperformen, soll hier behan- 
delt werden. Da aber der Künstler nicht nur die Formen 
des ruhenden Körpers oder der Leiche kennen muss, son- 
dern vor allen Dingen die Veränderungen dieser Formen 
während der Thätigkeit, bei Bewegungen, und im Stande sein 
soll, sich Rechenschaft abzulegen über die Gründe dieser Form- 
veränderungen, bedarf es einer Ergänzung der plastischen 
Anatomie durch Bemerkungen über die Lebensäusserungen, 
die Funktionen der Körperteile (Muskeln, Gelenke). Wir wer- 
den also unter dem Titel Anatomie der Körperformen so- 
wohl die Anatomie, wie die Physiologie (die Lehre von den 
Lebensäusserungen) der Organe, welche diese Formen be- 
dingen, zu behandeln haben. 
Dass diese anatomischen und physiologischen Studien für 
den Künstler, welcher den menschlichen Körper in den ver- 
schiedensten Lagen, Stellungen und Bewegungen darstellen 
soll, unbedingt notwendig sind, bedarf keines ausführlichen 
Beweises, Dahingegen erscheint es nicht unzweckmässig, 
die Gründe für die T hatsache aufzusuchen, dass die Meister- 
werke der antiken Kunst mit bewunderungswürdiger ana- 
tomischer Genauigkeit ausgeführt sind, Von Männern, welche 
sicher niemals anatomische Studien getrieben hatten, und 
die Verhältnisse klarzulegen, die es diesen Männern ermög- 
lichten, durch tägliche Anschauung im gewöhnlichen Leben 
die Kenntnisse zu erwerben, die uns nur durch das Studium 
der Anatomie zugänglich sind.  
Die griechischen Bildwerke geben die menschliche Körper- 
form in wunderbarer anatomischer Genauigkeit wieder. Die 
Werke von Phidias (Theseus und llissus), von Myron (der Dis- 
kuswerfer), von Lysippus und Praxiteles (der ruhende Faun), 
von Agasias (der Borghesische Fechter)  um nur die Meister- 
werke zu nennen, die in der Vorbildersammlung einer jeden 
Kunstakademie vorhanden  sind in der That derart be- 
schaffen, dass auch die strengste Kritik keinerlei Fehler in
        

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