Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1957541
Zehnte 
Vorlesung. 
107 
dem Krümmungsmittelpunkt derselben ansetzen, sondern aus- 
serhalb der Mitte nach rückwärts von dieser (a F ig. 34 u. 35). 
Daraus folgt, dass diese Bänder während der Beugung er- 
schlafft sind, dass aber bei zunehmender Streckung, in dem 
Masse, wie das Schienbein auf den Gelenkknorren weiter 
nach vorne gleitet, diese Bänder allmählich angespannt wer- 
den, da ihre Ansatzpunkte weiter auseinander rücken, weil 
sie hinter dem Mittelpunkt liegen. Wenn der Unterschenkel 
soweit gestreckt ist, dass er mit dem Oberschenkel in einer 
Ebene liegt, ist die Spannung der Seitenbänder so stark ge- 
worden, dass sie die Bewegung hemmt und den Unter- 
schenkel ganz unbeweglich an dem Oberschenkel befestigt; 
wie das bei Betrachtung der Fig. 34 u. 35 leicht zu ver- 
stehen ist. Wir sehen also, um das Gesagte zusammenzu- 
fassen, dass das Kniegelenk vermöge der Anordnung seiner 
vorderen, hinteren und seitlichen Bänder unbegrenzte Beu- 
gung, aber eine nur beschränkte Streckung zulässt, Welche 
nicht über die Stellung hinaus geht, bei der der Unter- 
schenkel die geradlinige Verlängerung des Oberschenkels 
bildet.  
Dieselben Anordnungen der Bänder erklären es uns, 
inwieweit Seitwärtsbewegungen im Kniegelenk möglich sind. 
Da dieses Gelenk aus zwei Gelenkilächen besteht, liegt es 
auf der Hand, dass Seitwärtsbeugungen unmöglich sind, da- 
bei müsste sich je eine der Gelenküächen des Schenkels von 
der entsprechenden Gelenkgrube des Schienbeins abheben. 
Es kann also hier nur die Rede sein von geringen Gleit- 
bewegungen eines Gelenkknorrens auf seiner Gelenkgrube, 
bei welchen eine Drehung um den anderen Gelenkknorren 
als Mittelpunkt zustande kommt. Diese leichten Drehungen, 
die zu der Bewegung beitragen, in der wir die Fussspitze 
nach innen oder aussen wenden, sind bei völliger Streckung 
unmöglich: es ist leicht verständlich, dass in dieser Lage 
nach der Feststellung des Schienbeines am Schenkel durch 
Anspannung der Seitenbänder und des hinteren Kapselab- 
Schnittes, jede einseitige Seitwärtsbewegung unausführbar ist,
        

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