Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1957387
Neunte Vorlesung. 
91 
Gesetz am leichtesten durch den Versuch bewiesen werden 
kann; wir haben aus diesem Grunde die Erwähnung dieses 
Gesetzes bis zur Besprechung des Hüftgelenkes verschoben; 
es betrifft den Einfluss des Luftdruckes aufden Zu- 
sammenhalt, die gegenseitige Berührung der Ge- 
lenkflächen.  Wir haben bisher bei dem Studium der 
Gelenke von der Form der Gelenkflächen gesprochen und 
aus der Gestaltung derselben die Art der in dem betreffen- 
den Gelenk möglichen Bewegungen abgeleitet; wir haben 
ferner die das Gelenk umgebenden Bänder besprochen und 
aus ihrer Anordnung über die mehr oder weniger engen 
Grenzen der Bewegungen Schlüsse gezogen. Aber wir haben 
noch gar nicht erwähnt, welche Gründe es bedingen, dass 
die Gelenkflächen fest aneinander gleiten, ohne sich jemals 
von einander zu trennen; weshalb die Gelenküächen dauernd 
in innigster Berührung bleiben. Man könnte glauben, dass 
die Gelenkbänder diese Wirkung hätten, aber das wäre irrig; 
der Luftdruck veranlasst die innige Berührung. Zur Erklärung 
dafür soll ein Beispiel, welcheshnicht der Mechanik des 
Körpers entnommen ist, und ein beweisender Versuch, den 
man an dem "Hüftgelenk ausführen kann, hier angegeben 
werden. 
Von Beispielen, welche beweisen, dass der Luftdruck 
zwei Körper fest aneinander gelagert halten kann, giebt es 
eine fast unendliche Zahl. Schröpfköpfe zum Beispiel, bleiben, 
wenn man sie auf ein Spiegelglas wirken lässt, fest haften, 
weil zwischen ihnen und dem Glas verdünnte Luft ist, und 
deshalb der Luftdruck auf ihre Oberfläche wirkt und sie 
andrückt. Es gibt ein Spielzeug, welches wir oft_ in den 
Händen der Knaben sehen, und welches ein noch einfacheres 
Beispiel für die Wirkung des Luftdruckes gibt. Dasselbe besteht 
aus einer Scheibe von dickem, weichem Leder, in deren Mitte 
auf einer Seite eine Schnur befestigt ist; wenn man nun 
die andere Seite dieser Scheibe fest auf die Oberfläche eines 
Steines, (beispielsweise eines Pilastersteines) legt, und genau 
anschmiegt, so dass alle Luft zwischen der Scheibe und der
        

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