Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955312
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näher auf dieselbe einzugehen. Es handelt sich wesentlich 
nur um den Grad derselben. In Rücksicht auf diesen 
können die antiken Bildwerke von der Glanzperiode der 
griechischen Sculptur bis zum NTei-falle der heidnischen 
Kunst Roms als mustergiltig betrachtet werden. Einige 
archaische Kunstwerke Griechenlands, wie der Apoll von 
Tenea, zeigen eine übertriebene Einsenkung des Lenden- 
theiles der Wirbelsäule, die nicht zur Nachahmung zu 
empfehlen ist. Zum Theil mag dieselbe ihren Grund in 
der steifen und gezwungen aufrechten Haltung der Figur 
finden. je mehr der Körper aufgerichtet wird, umsomehr 
rückt der Schwerpunkt desselben nach rückwärts. Die Senk- 
rechte aber, welche man sich durch den letzteren gezogen 
denkt, die Schwerlinie, darf nicht hinter die Fersen fallen, 
weil sonst das Stehen unmöglich würde. Es wird also der 
Lendentheil der Wirbelsäule eingebogen und dadurch der 
mittlere Theil des Rumpfes mehr nach vorne gedrängt, um 
ein Gegengewicht zu schaffen. Das militärische: Bauch 
herein! Brust heraus! entspricht keiner natürlichen Haltung, 
sondern muss erst durch Dressur erzielt werden. 
Die Meister der Renaissance sind in Rücksicht auf 
den stärkeren Schwung in der Biegung der Wirbelsäule 
oft etwas über die antiken Muster hinausgegangen, ohne 
dass man ihnen zu folgen braucht. Es ist übrigens schwer, 
hier bindende Regeln zu geben, denn bei der wesentlichen 
Rolle, welche die Linie der Wirbelsäule einer Figur in 
den grossen Linien einer Composition spielen kann, ist 
gelegentlich durch die Rücksicht auf die letzteren eine 
stärkere Biegung gerechtfertigt. 
je mehr Beweglichkeit dem Modell im Brusttheile 
seiner Wirbelsäule geblieben ist, um so besser ist es. Es 
gilt dies namentlich von der seitlichen Beweglichkeit. 
Hier ändern die Athembewegungen nichts; wohl aber 
das Heben und Senken der Schultern, z. B. beim Hinauf- 
reichen des rechten Armes nach einem hochgelegenen 
Gegcnstande, einer Frucht, während der linke Arm herab-
        

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