Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955296
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Künstlers hinreichend vollen Körper nicht vorhanden ist, 
sondern der Knick als solcher rein und offen daliegt, da 
ist dies sicher als eine Wesentliche Schönheit zu betrachten 
und ist auch schon von namhaften Künstlern als solche 
gewürdigt worden, so vom Moretto da Brescia in seiner 
um den todten Adonis trauernden Venus in der Gallerie 
der Ufhcien, Nr. 592  
Eine zweite Falte, welche bei grösserer Fettleibigkeit 
sichtbar wird, springt oft, aber nicht immer, vom Nabel 
aus nach rechts und links ein, und hat nur einen kurzen 
Verlauf. Ist noch mehr Fett zwischen Brustbein und Nabel 
abgelagert, oder ist die Haut besonders schlaff, so er- 
scheinen statt der früher erwähnten einen Falte über dem 
Nabel deren zwei. Bei Frauen, die schon geboren haben, 
kann sich ihre Anzahl noch vermehren, aber der Künstler 
darf sich nicht verführen lassen, solche faltige Bäuche zu 
copieren, auch nicht durch Michel Angelds Nacht, über 
deren Bauch vier Querfalten hinlaufen, zwei über dem 
Nabel und zwei unter dem Nabel. Hier handelte es sich 
nicht darum, Schönheit darzustellen, sondern die Figur 
als Mutter zu charakterisieren. Michel Angelo hat dies 
mit einer Kühnheit gethan, die niemandem zu empfehlen 
ist, der nicht auch über eine solche Wunder-kraft, wie dieser 
Meister, gebietet. 
Furchen, Rillen oder gar Falten, welche zwischen 
dem Nabel und der Schamberg-Beckenlinie verlaufen, darf 
der Künstler nie reproducieren, auch nicht, wenn sie bei 
sonst sehr schönen und jugendlichen Modellen vorkommen, 
denn sie gehören nicht der normalen Entwickelung des 
menschlichen Körpers an, sondern sind Folgen unzweck- 
massiger Kleidung, namentlich des Mieders. 
'33) Ich habe mich in Rücksicht auf den Autor an den Katalog gc- 
halten. C r o w e und C a v a1 c a s e 1 1 e und L e r m o li e ff schreiben das Bild 
übereinstimmend dem S e b a s t i an o L u c i a 11i zu.
        

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