Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955186
76 
Diese dem Sehnenstreifen zwischen den geraden Bauch- 
muskeln beider Seiten, der sogenannten Lfnm allzu, ent- 
sprechende Rinne ist bei verschiedenen Stellungen ver- 
schieden deutlichi) und kann bei Weibern gänzlich, d. h. auch 
in ihrem oberen Theile fehlen, ohne dass deswegen die 
Figur verwerflich wäre. So ist sie, nach einer mir vorlie- 
genden Photographie zu urtheilen, an der Venus vom Es- 
quilin nicht sichtbar. Wo sie aber am Modell vorkommt, 
hat sie der Künstler sorgfältig nachzubilden. Er Würde 
sonst seine Figur nicht nur eines Schmuckes berauben, 
sondern auch auf einen Schriftzug verzichten, durch den er 
ihre Bewegung eindringlicher zur Anschauung bringen kann. 
Bisweilen macht sich schon in aufrechter Stellung 
eine Linie bemerklich, welche in einiger Entfernung ober- 
halb des Nabels quer verlauft, oder statt derselben zwei 
quer liegende Depressionen, welche jederseits nach aussen 
von den geraden Bauchmuskeln liegen und im rechten 
Winkel mit den eben beschriebenen Langsdepressionen zu- 
sammenstossen. Diese Zeichnung entspricht dem Knick oder 
der Falte, welche entsteht, wenn sich das Individuum stehend 
nach vorne überbeugt, oder in gebeugter Stellung sitzt. 
Bei muskulösen und dabei fettarmen Individuen können 
sich auch mehrere Sehnenstreifen, lnscriplimzcs twzzfzäzßae, 
 Die Deutlichkeit der Rinne ist namentlich in ihrem unteren 
Theile wesentlich abhängig von der Action eines Muskels, des pyramiden- 
förmigen Muskels des Bauches  pyramidali: aödanzinis). Er entspringt 
von den beiden Schambeirlexi zu beiden Seiten der Vereinigung derselben 
und von dieser selbst. Seine Fasern verlaufen beiderseits aufwärts und 
etwas nach innen, d. h. gegen die liiittellinie zu, und heften sich hier in 
dein fibrösen Gewebe der Linea alba an. Wenn sie sich also ZLISQJUIYICII- 
ziehen, so ziehen sie die Liuea aläa nach abwärts und spannen sie (ladurch 
an. Durch diese Anspannung aber senkt sie sich gegen ihre Umgebung 
ein und verursacht an der Oberfläche eine Rinne, weil sie einer geraden 
Linie zustrebt, Welche man sich vom Schwertfortsatze des Brustbeines zur 
Scharnfuge hin gezogen denken muss. Dass bei Weibern die Rinne seltener 
sichtbar ist und nicht so tief nach abwärts verfolgt werden kann, rührt 
hauptsächlich von der reichlichen ltettablagerung in den Bauchdecken her, 
tlICllKVGiSC auch von der schwächeren Entwickelung der Musculatur.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.