Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955080
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Es war eben die Hand des grossen Meisters, welche 
einen gegebenen Körper in seiner vortheilhaftesten Gestalt 
ausnutzte und auch Gebilde in seine Zauberlinien hinein- 
zuflechten wusste, die unter anderen Umständen gestört 
haben würden. 
Michel Angelo hatte auch die Neigung, die Brüste 
durch einen breiten Zwischenraum zu trennen und sie recht 
scharf und deutlich von diesem Zwischenraume abzugrenzen. 
Jede einigermassen bewegliche Brust rutscht auf ihrer Unter- 
lage, und zwar wenn das Modell steht, nach abwärts, wenn 
es liegt, nach auswärts; aber das ist es nicht allein, was 
bei Michel Angelols Figuren die Brüste so weit von 
einander trennt, denn erstens haben sie die Haut nicht in 
auffälliger Weise nach sich gezogen und zweitens ist die 
Nacht mit dem Oberkörper so weit aufgerichtet, dass die 
Verschiebung mehr nach abwärts als seitlich erfolgen müsste. 
Die linke Brust der Figur kann zwar durch den zurück- 
gelegten Arm nach aussen gezerrt sein, die rechte aber 
nicht, und doch grenzt sie sich in relativ weiter Entfernung 
vom Brustbein ab. 
Auch 
bei 
den 
Antiken 
kommen 
solche 
weit 
3115- 
einander stehende Brüste vor, z. B. bei der Barberini- 
sehen Juno. Man vergleiche diese mit der capitolinischen 
Venus: der grosse Unterschied, der sich hier zeigt, kann 
nicht allein auf Rechnung der Körperstellung gebracht 
werden. 
In der Wirklichkeit scheinen diese Brüste namentlich 
bei grossen Frauenzimmern mit breitem, aber vorne mehr 
flachem als gewölbtem Tlzorax und kleiner runder Jlfamzxzzz 
vorzukommen; denn, je kleiner die Brüste umgrenzt sind, 
um so weiter werden sie auf breiter Brustflächc von einan- 
der entfernt stehen, und je weniger das Brustbein mit den 
daran gehefteten Rippenknorpeln sich vorwölbt, um so 
weniger allmählich wird sich die Brust gegen die Mittellinie 
zu abdachen, um so schärfer wird sie sich auf der Fläche, 
auf der sie aufsitzt, abgrenzen.
        

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