Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955056
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Auch später, als die Herrschaft der Antike bereits 
unbestritten War, wich man von den Typen derselben 
gelegentlich ab, zum Theil mit zweckbewusster Absicht. 
S0 zeigt sich dies in der Gestalt der Eva auf dem grossen 
Bilde von Ang. Bronzino, Jesu alLimbo(Uff1cien). 
Es liegt nahe, dass es sich hier darum handelte, dem 
Charakteristischen der Frau und Mutter gerecht zu werden. 
Aber auch sonst kommen Abweichungen vor. Franc. 
Morandinils Grazien (Ufficien 1240) zeigen solche. Die 
eine hat mehr runde, die andere (von der dritten sieht man 
den Rücken) mehr konische Brüste, aber bei beiden zeigen 
die Warzen abwärts, nicht wie bei den antiken nach vor- 
wärts, beziehungsweise nach vorwärts und nach aussen. 
Diese letzteren Abweichungen sind wahrscheinlich 
lediglich unter den1 EinHusse der gewählten Modelle ent- 
standen. Nach anderen Modellen hätte Morandini wohl 
andere Brüste gemalt. 
Unter den Brustformen der Antiken muss man nun 
wieder verschiedene unterscheiden. Beginnen wir mit der 
einfachsten Form. Die Brust kann dem Brustkorbc auf- 
gesetzt sein wie ein Kegel, der in seiner Axe durchschnitten 
einen Winkel von 90 oder mehr-l) Graden ergeben würde. 
Dieser Form nähern sich die Brüste der Venus aus dem 
Hause Braschi in München (GlyptothekM), mehr noch 
die einer Nymphe von Canova, welche ich in Possagno 
gesehen, deren nähere Bezeichnung ich mir aber leider 
nicht gemerkt habe. Diese Brust kommt bei Frauen, die 
 Wenn ich nicht hinzufüge ßauch wenigerw, so will ich damit 
nicht behaupten, dass dies nicht vorkomnie. Schon auf altügyptischen Monu- 
menten sieht man Brüste, bei denen die Höhe mehr als die Hälfte des 
Durchmessers der Basis beträgt, und noch jetzt sollen solche bisweilen an 
den Töchtern von Fcllalfs gesehen werden: diese Brüste sollen später 
sehr schlaff und hängend werden, so (lass man gelegentlich einem Fellah- 
weibe begegnet, ivelches ein auf ihrem Rücken hockendes Kind mit über 
die Schulter geschlagener Brust säugt. 
iitiiß) Sie wird auf Grund von Münzfunrlen von einigen für eine 
freie Nachbildung der knidischen Aphrodite des Praxiteles gehalten.
        

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