Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955043
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eines Modells, dessen getreue und realistische Darstellung 
sich der Meister, gleichviel, ob mit Recht oder mit Unrecht, 
zur Aufgabe gemacht hatte, 
Erst in der Zeit des Verfalles der italienischen Kunst 
finden wir bei manchen Meistern geradezu eine Vorliebe 
für einen niedrigeren Ansatz der Brüste, wie er in der 
That in der Wirklichkeit sehr häufig ist. 
Eine ähnliche Neigung, die Brüste tief anzusetzen, 
findet sich bei einzelnen Meistern der deutschen Renais- 
sance; Schuld daran sind offenbar die schlechten Modelle, 
Welche diesen Meistern dienten. Der Ansatz der Brust, 
bezogen auf die darunter liegenden Rippen, unterliegt 
nur geringen Schwankungen. Wo also die Rippen in der 
Mittellage sehr schräg nach abwärts gerichtet sind, da 
wird sich die Brust tief ansetzen, da aber, wo der Bogen, 
welchen die Rippen machen, nach vorne weniger stark 
abfällt, da wird sie sich höher ansetzen. 
In Rücksicht auf die Form der Brust ist die erste 
Bedingung, dass sie sich nach unten durch keine Falte 
begrenze, auch dann nicht, wenn das Modell aufrecht steht 
und die Arme her-abhängen. Die antike Plastik kennt bei 
der Darstellung des Nackten eine solche Falte nicht; sie 
hat sie, wo sie vorauszusetzen war, stets mit Gewand 
bedeckt. Erst als die italienischen Künstler sich zuerst 
Wieder daran wagten, die nackte menschliche Gestalt dar- 
zustellen, tritt diese Falte auf und erkläirt sich hier zunächst 
aus der Seltenheit der Mädchen, die sich zum Modellstehen 
hergaben, und aus der Unfreiheit, aus der Befangenheit, 
mit der ihr Körper copiert wurde, weil er einer der Wenigen 
war, welche man zu sehen Gelegenheit hatte. 
Dies erklärt die zwar runden, aber tief angesetzten, 
der Schwere folgenden und nach unten durch eine scharfe 
Linie begrenzten Brüste der berühmten Venus von San dro 
Botticelli in den Ufficien i). 
Siehe 
lfig. 
auf Seite
        

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