Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954971
keineswegs allgemein. Bisweilen tritt frühzeitig eine Ver- 
änderung ein, welche sich sonst erst in späteren Jahren 
zeigt. Sie hängt zusammen mit einer gewissen Schlatfheit 
der Haut und einer gewissen Schlaffheit der Musculatur 
im Zustande ihrer Unthätigkeit. Nicht in Thätigkeit ver- 
setzte, nicht angespannte Muskeln haben bekanntlich eine 
sehr geringe Consistenz. Dieselbe ist, wie ich schon er- 
wähnte, verschieden bei verschiedenen Individuen, ohne 
dass ein Zusammenhang zwischen ihr und der Leistungs- 
fähigkeit der Muskeln erkennbar wäre. Oft sind solche er- 
schlaffte Muskeln so weich, dass sie überall, wo es ihre 
Anheftungen erlauben, der eigenen Schwere folgen und da, 
wo sie nicht durch straffe Sehnenbinden (Fascien) und durch 
straffe Haut zusammengehalten werden, förmlich herab- 
hängen. Hiedurch entsteht ein Fehler, den man erkennt, 
wenn man den Arm beugt und die Hand in Pronations- 
stellung bringt. Ist der Arm schön entwickelt und wohl 
erhalten, so bleibt er dabei rund, nicht gerade drehrund, 
aber von gerundeter Gestalt mit einem Querschnitt, der 
gegen die Handwurzel zu mehr und mehr elliptisch wird. 
Ist er nicht wohl erhalten, aber. dabei doch noch gut er- 
nährt, so sieht man an der Aussenseite die Linie der Ulm: 
hervortreten, auf sie folgt nach abwärts eine plane oder 
in ihrem oberen T heile etwas concave Fläche und dann 
eine mehr oder weniger starke Ausbauchung nach abwärts, 
welche durch die hängenden, erschlafften Pronatoren und 
Beuger hervorgebracht wird, während die Streckseite des 
Vorderarrnes, namentlich im vorderen Theile, sich mehr 
tiächenhaft gestaltet. 
Man braucht nur eine Reihe von Witzblättern nach- 
zuschlagen, man wird gewiss an Höckerinnen oder Fleisch- 
hauerinnen oder Wäscherinnen solche Arme in ihren charak- 
teristischen Linien gezeichnet finden, aber auch bei P. P. 
Rubens sucht man nicht vergebens, und ihm war es mit 
diesen Armen noch völlig Ernst. Dass noch heute ihres- 
gleichen zunl Modell genommen würden, ist kaum zu be-
        

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