Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954952
hässlich, dass sie heute nicht mehr zur Darstellung kommen. 
Es geschah bisweilen im Mittelalter und an der Grenze 
von Mittelalter und Renaissance, zur Zeit, als noch die 
ascetische Magerkeit selbst auf Madonnengestaltezi aus- 
gedehnt wurde. Das jüngste Beispiel, was mir davon erin- 
nerlich ist, rührt von Fra Filippo Lippi her. Es ist die 
Madonna 162 in der Gallerie Corsini in Florenz. Vielleicht 
Meister 
kein 
ist 
in Rücksicht 
auf seine künstlerischen Inten- 
tionen so verkannt worden, wie Fra Filippo. 
Es gibt aber Weiberhände, bei denen sich die Finger 
von der Basis gegen die Spitze hin sehr stark, doch nicht 
gleichmässig verjüngen. Hier haben die, von der Hand aus 
gerechnet, ersten Glieder der Finger ein mehr oder weniger 
entwickeltes Rückenpolster aus Bindegewebe und Fett, das 
eine nicht unbeträchtliche Verdickung bedingt. Die zweiten 
F ingcrglieder haben ein ähnliches schwächeres Polster, die 
dritten F ingerglieder sind schmal und tragen schmale, von 
vorne nach hinten gerade, aber der Quere nach stark cylin- 
drisch gebogene Nägelf). Der Rücken dieser Hände ist 
meistens, wenn auch nur mässig, fett, wenigstens so weit, 
dass er eben ist und Sehnen und Blutgefasse nicht auf 
demselben hervortreten. Diese Hände kommen keineswegs 
nur bei fetten Weibern vor. Man findet sie bei ganz jungen 
Mädchen, namentlich in Oberitalien und hier besonders 
im Venezianischen. 
Sie haben in die grosse monumentale Kunst wenig 
Eingang gefunden, kommen aber an Venusgestalten und 
mehr genrehaft gehaltenen weiblichen Figuren häufig vor. 
 Solche Nägel, die dabei, vom freien Rande gegen den Falz hin 
gemessen, nicht zu kurz sein dürfen, sind eine Zierde der Frauenhand. Kurze, 
lsreite und {lache oder mehr der Länge als der Quere nach gebogene Nägel 
sind gemein. Ribera hatte eine besondere Neigung, gemeine Nägel zu 
malen, oder vielmehr er copierte sie im derben Naturalismus nach seinen 
von der Gasse aufgegriffenen Modellen. 
Vom Zeigefinger an nimmt die lhxndung des Nagels gegen den kleinen 
Finger zu. Der Unterschied ist am grössten zwischen Zeigefinger und Mittel- 
llnger, am kleinsten zwischen Ringünger und kleinem Finger.
        

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