Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954914
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Ein langes Olekranon ist unter allen Umständen ein 
Fehler. Wenn der Arm bis zu einem Winkel von weniger 
als 90 Graden gebeugt ist, so macht es spitzen Ellenbogen, 
wenn der Arm im Winkel von 90 Grad gebeugt ist, so 
macht es die Linie der Streckseite des Ober-armes schlecht, 
indem diese dann gerade und rechtwinklig gegen die Linie 
der Streckseite des Unterarmes herabsteigt, während sie sich 
bei kurzem Olekranon in ihrem unteren Ende beugt, so dass 
ein stumpfer,abgerundeter Winkel statt des rechten entsteht. 
Ist endlich der Arm gestreckt, so ist das lange Ole- 
kranon in dieser Lage so weit hinaufgerückt, dass es, in- 
dem es die Ansatzsehne des grossen Armstreckers und tl1eil- 
weise auch die Haut nach oben rückt, eine hässliche Falte 
hervorbringt, welche bei stärkerer Fettablagerung nach oben 
zu durch eine höchst vulgär aussehende Hervorragung be- 
grenzt ist. Ein kurzes Olekranon macht in gleicher Lage 
nur eine Grube, die mehr oder Weniger tief sein kann, je 
nachdem Ueberstreckung vorhanden ist oder nicht. 
Es muss übrigens hinzugefügt werden, dass nicht die 
Länge des Olekranon allein in Betracht kommt, sondern 
auch die Form desselben. Wo die nach der Streckseite 
gewendete Kante des Ellenbogenbeines als solche in con- 
caver Schwingung bis an das Ende des Olekranon ausläuft 
und hier mit der Abstutzungsfläche desselben eine spitze 
Ecke bildet, wird der Ellenbogen spitzer als da, wo der 
Knochen am Ende mehr abgerundet ist. Einen trotz starker 
Beugung sehr schönen Ellenbogen zeigt die sogenannte 
Dianai) von Gabii. 
Ein langes Olekranon kommt in der Regel da vor, 
Wo der Vorderarm überhaupt sehr lang ist. Es ist dies bei 
Langarmigen mehr der Fall als bei Kurzarmigen. Deshalb 
 Ich folge hier der gangbaren Benennung, laann aber, ebenso 
wie C. Friedericlis (vßaxlsteiue zur Geschichte der griechisch-römischen 
Plastilm, I. Gypsabgüsse des neuen Museums in Berlin) in der vortreff- 
lichen Figur nichts Anderes sehen als ein hochgeschürztes Mädchen, das 
im Begriffe ist, sein Obergewand ab- oder anzulegen. 
Schön 
eit und Fehler d. 
Gestalt.
        

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