Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954875
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Dem unteren Theile des Vorderarnies wird bei Her- 
kulesgestalteil oft eine Llngewöhnliche Breite gegeben. Eine 
solche wird in der Wirklichkeit Wesentlich bedingt durch 
den Raum, welcher das untere verflachte und verbreiterte 
Ende der Speiche (Radius) mit dem neben ihr liegenden 
unteren Ende des Ellenbogenbeines (Ulmz) einnimmt. Man 
stellt also wesentlich die Breite, die Massigkeit der Knochen 
dar. Dies mag bei Herkulesgestalten, die mehr oder weniger 
der Ausdruck der plumpen Kraft sind, am Orte sein; im 
übrigen aber muss man festhalten, dass die Kraft des 
Menschen nicht in den Knochen, sondern in den Muskeln 
liegt, und es würde in hohem Grade unpassend sein, die 
übermenschliche Kraft eines Achill in ähnlicher Weise 
charakterisieren zu wollen. 
Beim weiblichen Unterarnl soll der untere Theil nicht 
zu breit sein und der Tiefendurchmesser, der Durchmesser 
von der Hohlhandseite zur Handrückenseite des Unterarmes, 
soll nicht zu sehr gegen den QLlCl'ClLl1'Cl1I11CSSC1' zurücktreten. 
Unterarme, bei denen dies der Fall ist, kommen namentlich 
beim germanischen Stamme und bei Individuen von starkem 
Knochenbau vor. Deutsche Bildhauer werden durch heimi- 
sche Modelle leicht verführt sie nachzubilden. Es gibt zwar in 
ihrem unteren Theile ziemlich breite Vorderarme, welchen 
eine eigenthümliche Schönheit nicht abzusprechen ist. Bei 
diesen ist aber nicht die Breite der Knochen das gestaltende, 
sondern eine an der Aussenseite der Speiche und an der 
Aussenseite der Ulm: etwas stärker als gewöhnlich ent- 
wickelte Fettlage. Es kommt dieselbe nur an vollen, über- 
haupt mit einem hinreichenden Fettpolster überzogenen 
Armen vor. Solche Arme pflegen sich mit einer leichten 
Einsenkung gegen die Handwurzel abzusetzen, wodurch sie 
sich den Kinderarmen in ihrer Form einigermassen annähern. 
Diese Arme sind zwar vorzugsweise von Meistern aus 
der Zeit des Verfalles dargestellt worden, aber schon bei 
Tizia n und bei Co r re ggio kommen sie vor. Wünschens- 
wert ist eine gewisse Breite des unteren Theiles des Vorder-
        

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