Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954830
gesorgt, wenn ein mässiges FGttPOlStCT die Tiefen in der 
XVeise ausfüllt, dass sie durch allmähliche Abdachungen 
mit den Höhen verbunden sind. Solche Arme eignen sich 
namentlich für Karyatidengestalten, aber sie sind auch 
anderen weiblichen Figuren, und zwar von den grössten 
Meistern gegeben worden. So zeigt sie die eben erschaffene 
Eva Michel Angelds an der Decke der sixtinischen 
Capelle und der Friede RafaePs im Vatican. Einen schwä- 
cheren, aber in der erwähnten Beziehung lehrreichen und 
mit wenig äusseren Mitteln modellierten Arm zeigt eine 
Tuba und Fahne haltende Figur von Perin del Vaga 
neben der Hauptthüre des langen Saales im Palazzo Doria 
in Genua. 
Dieser 
seiner 
Musculatur 
verständliche Oberarm hat 
für den Bildhauer noch den Vortl1eil, dass der Contour je 
nach der Ansicht eine grössere Mannigfaltigkeit bietet. Die 
Darstellung ist schwierig und verlangt, wenn sie gelingen 
soll, ein gutes Modell und ein sorgfältiges Eingehen in das 
Detail. Indessen hat Agostino Felici in Venedig noch 
in neuester Zeit mit seiner Veneziana (Localatisstelltmg 
im Palazzo Pisani im Herbst 1881) Wieder ein glänzendes 
Beispiel der Vorzüge dieses Armes gegeben. Die Aufgabe 
war hier um so schwieriger, als der Arm fett War. Nichts- 
destoweniger erkennt man ganz deutlich die Gestaltung 
der Theile unter der Oberfläche. 
Es ist hier der Ort, auf ein im Publicum viel verbreitetes 
Vorurtheil aufmerksam zu machen. Manche Mütter fürchten 
für ihre Töchter jede Art von Uebungen mit den Armen, 
weil der Arm dadurch in männliche Formen entwickelt 
werden könnte. Merkwürdigerweise befällt sie diese Furcht 
nicht, wenn sie ihre Töchter stundenlang Clavierspielen 
lassen, wobei gewisse Muskeln des Vorderarines in höchst 
einseitiger Weise angestrengt werden. Aber die Furcht, so 
wie sie besteht, ist überhaupt eine unbegründete. Körper- 
liche Uebungen wirken nur unter zwei läeciingungen nach- 
theilig auf die Körperformen: wenn sie in zu zartem Alter
        

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