Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954810
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die Haut spannt. Knaben haben in der Regel mehr abge- 
fiachte Oberarme als Mädchen. Während spätere Meister 
ihren Engeln auch bei sonst mehr vorherrschendem männ- 
lichen Typus Weiberarme malten, malte Andrea del 
Sarto den seinigen mit Vorliebe Knabenarme. 
Sehr ausgesprochene, schöne Mädchenarme malte 
Palma der jüngere seinen Engeln, es herrscht aber auch 
im übrigen der weibliche Charakter bei ihnen vor. 
Es kommt für die Rundung des Armes noch Eines 
in Betracht, der Muskeltonus. Der erschlaffte lebende Muskel 
ist so weich, dass er in allen seinen T heilen den Gesetzen 
der Schwere folgt. Er ist viel weicher als die Muskeln der 
Leiche jemals wieder werden, nachdem sie einmal erstarrt 
sind, wenn auch die Starre bereits vollständig vorüber, 
anscheinend die volle Biegsamkeit der Glieder wieder ein- 
getreten ist. 
Nichtsdestoweniger lassen sich an verschiedenen 
Menschen durch das Getast Unterschiede in der Resistenz 
der 
"erschlafften 
Muskeln 
wahrnehmen. 
Man 
führt 
dies 
zurück auf den sogenannten Muskeltonus. Ich will hier 
nicht auf die verschiedenen Ansichten eingehen, die über 
die Ursachen desselben geäussert sind. Es genügt der 
Existenz der Erscheinung und der obigen Unterschiede 
zu erwähnen. Ich will nur noch hinzufügen, dass die 
letzteren nichts zu thun haben mit der Körperkraft. Auch 
Menschen, bei denen die erschlafften Muskeln äusserst 
weich sind, einen äusserst geringen Widerstand bieten, 
können grosse Körperkraft besitzen. je weicher nun die 
erschlafften Muskeln sind, umsoweniger werden sie ihre 
eigene Gestalt festzuhalten suchen und sich der dreh- 
runden Form anpassen, welche die über ihnen ausge- 
spanimten Haut- und Fettbedeckungen dem Oberarm zu 
geben suchen. 
Mit dieser Weichheit der erschlafften Muskeln hängt 
noch eine andere Erscheinung zuszunmen, welche hier er- 
wähnt werden muss.
        

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