Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954694
als dies dem Zustande völliger Ruhe bei derselben Gestalt 
entsprechen würde. 
An manchen Frauenhälsen sieht man ein oder zwei 
ringförmig verlaufende Linien. Es sind keine Falten, wohl 
aber Spuren von Falten, Welche einst im Kindesalter vorhan- 
den waren. Sie sind schon von den läildhatiern des Alter- 
thums bemerkt und wiedergegeben worden. Sie kommen 
an mehreren antiken Venusgestalten vor. XVo sie sich am 
lebenden Modelle finden, sind sie sorgfaltig DEIClIZLIbilClCII; 
denn sie sind eine Zierde für das lebende weibliche Modell, 
insofern sie auf eine normale und kräftige Entwickelung von 
Jugend auf hindeuten und meistens nur bei frischer und 
auf ihren Unterlagen wohlbefestigter Haut vorkommen. Sie 
sind nicht zu verwechseln mitFalten, die sich bei Bewegtmgen 
des Halses leicht in einer schlaffen Haut bilden. C. R o c het 
sagt: nDie Falten am vorderen Theile des Halses sind 
niemals Zeichen von Alter und Hässlichkcit, im Gegen- 
theil, sie finden sich in der Zahl von eins oder zwei nur 
bei jungen und schönen Personen, vorausgesetzt, dass sie 
fett sind. Nicht so ist es mit den Seitenfalten des Halses, 
die wahre Runzeln sind, denn sie kommen mit dem Alteizu 
(vTraite däinatomieu, p. 210.) Dieser Ausspruch ist insofern 
nicht ganz richtig, als das Hauptgewicht auf den Ort der 
Falten gelegt ist. Das Wesentliche ist Vielmehr die Natur 
der Linien, die einen sind Runzeln, die anderen Rillen, 
die zurückgebliebenen Spuren der Iiztlten des fetten Kinder- 
halses. Sie können sich auch auf die Seitentheile des Halses 
fortsetzen, aber sie unterscheiden sich auf den ersten Blick, 
dadurch, dass sie keine Falten sind. Die Haut ist überall 
gut befestigt und in jenen Linien nur flach eingesenlat. 
Zwei sehr hässliche, ausgebogene, hängende Längs- 
falten, die vom Unterkiefer zu beiden Seiten des Kinnes herab- 
steigen, gehören dem höheren Alter an. Sie waren schon 
den Künstlern der Spätrenaissance als Charakteristicum wohl 
bekannt und sind vielfach bei der Darstellung von Furien, 
bei Pestgestalten u. s. w. verwendet worden.
        

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