Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954569
die 
narina gedeuteten Köpfe auf Rafaelischen Bildern zeigt die 
kräftige Adlernase des hier porträtierten Mädchens. 
Im Herbste 1882 sah ich in der Pinakothek von 
Lucca eine Madonna, welche mehr Aehnlichkeit mit dem 
erwähnten Fornarina-Bilde hatte, als irgend eine andere 
mir bekannte, aber die Nase war auch schwächer. Die 
Madonna gehörte nicht zur Sammlung, sondern sollte 
Eigenthum einer Gräfin Nobili sein. Sie wurde von 
einigen für ein Werk des Rafael, von anderen für ein 
Werk des Giulio Romano gehalten. 
Es ist oft gesagt worden, dass die Antiken kleinere 
Köpfe hätten als das jetzige Geschlecht, und nach den 
üblichen Messungsmethodcn ist dies auch im allgemeinen 
richtig. Die letzteren haben ihre Vorzüge in der Bequem- 
lichkeit für den ausübenden Künstler, naturwissenschaftlich 
aber ist es nicht richtig, die sogenannte Kopflänge mit 
der Länge der ganzen Figur zu vergleichen, weil hiebei 
der Quotient durch die in hohem Grade wechselnde Länge 
der Beine stark beeinflusst wird. Nun sind aber beim jetzigen 
Geschlechte vielfach die Beine kürzer als bei den Antiken. 
Wenn man 
Dimension 
bei den Lebenden 
vom Scheitel bis 
die 
zu 
Kolaflänge nur mit der 
den Schamthcilcn ver- 
gleichen wollte, so würde man einen mittleren Quotienten 
finden, welcher sich dem der Antiken mehr annähert. 
Die zweite Ursache der gefundenen Differenz ist die 
stärkere Entwickelung des Gesichtsschädels bei den barba- 
rischen Stämmen, deren Nachkommen die jetzige Bevöl- 
kerung von Europa in dominierender Menge bilden. Der 
Künstler muss wohl unterscheiden zwischen Gesichtsschäirlcl 
und Hirnschädel, da deren Entwickelung keineswegs parallel 
geht, sondern von verschiedenen Ursachen abhängt. Der 
Hirnschädel bestimmt die Form des oberen Thciles des 
Kopfes. Von der Nasenwurzel an ziehe man eine Linie 
durch das Auge und durch das Ohrloch, das heisst durch 
den Eingang in den äusseren Gehörgang, und von da 
Weiter zum unteren Theile des Hinterhauptes, der sich
        

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