Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954559
Das Kinn der Antiken ist rundlich, häiufig mit schwa- 
chem medianen Eindruck und mit seiner Convexität mehr 
nach vorne, weniger schräg nach abwäirts gewendet, als 
bei der Mehrzahl der Gesichter Lebender, welche uns 
umgeben. 
Der antike Schnitt wird von vielen als ein Ideal 
angesehen, das man heutzutage nicht mehr findet und 
das vielleicht überhaupt niemals zu finden war; aber dem 
aufmerksamen Beobachter wird es nicht entgehen, dass 
man in Italien und selbst in Deutschland bisweilen Köpfe 
findet, welche sich diesem Ideale in hohem Grade näihern. 
Nach den Mittheilungen eines ausgezeichneten Malers, der 
längere Zeit im Oriente lebte, soll es in Smyrna noch in 
seiner vollen Reinheit zu finden sein. 
Erwähnenswert ist es, dass "die doch in Italien nicht 
seltene Adlernase in Rücksicht auf weibliche Schönheit 
niemals die Anerkennung der Künstler des Mittelalters 
und der Renaissance gefunden hat. Wo sie von dem grie- 
chischen Profile abweichen, liegt die Abweichung zunächst 
darin, dass der Nasenrücken mit der Stirne nicht mehr 
durch eine ganz gerade Linie verbunden ist; wo sie an 
der Form der Nase selbst ändern, geschieht es nie in der 
NVeise, dass sie dieselbe zur Adlernase umbilden. Eher 
verfallen sie ins Gegentheil, und in der Frührenaissance 
Endet man gelegentlich an Weiblichen oder Engelsköpfen, 
die auf ideale Schönheit Anspruch machen, Nasen, die 
beträchtlich unter dem Masse der Antiken bleiben. Es 
versteht sich, dass sie nicht einem griechischen Kopfe auf- 
gepfropft sind, sondern mit den kindlichen Zügen des 
ganzen Gesichtes in Einklang stehen. 
Auf Rafaelischen Bildern sind mehrfach Frauenköpfe 
als Bildnisse der Fornarina gedeutet worden. Man unter- 
legt aber dabei dem Meister starke Abweichungen vom 
Originale, wenn das Frauenbild in der Galerie B arb e rini 
in Rom, das auf dem Armbande die Signatur RafaePs 
tragt, wirklich die Fornarina darstellt. Keiner der als For-
        

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