Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954542
Theile der Lippen muss nicht blos durch die Farbe, son- 
dern auch durch die Form schon deutlich hervortreten. 
Ein Modell, bei dem dies nicht der Fall ist, bei dem sich 
zwar Haut und Lippenroth durch die Farbe scharf von 
einander trennen, aber das Relief des Mundes undeutlich 
oder unschön ist, ist für den Bildhauer unbrauchbar und 
für den Maler wenig günstig. 
Die Lippen des geschlossenen Mundes müssen in 
ihrer ganzen Länge von einem Mundwinkel bis zum an- 
deren so aneinandergelegt sein, dass sich die "Trennungs- 
linie durch tiefen Schatten markiert. Der Bildhauer wird 
oft in der Lage sein, die Rinne zu vertiefen, um die 
Trennungslinie zu verschärfen. Theils zu diesem Zwecke, 
theils des Ausdruckes halber, haben schon die Bildhauer 
des Alterthums den Mund oft leicht geöffnet. Die Linie 
des geschlossenen Mundes muss zwei einander entgegen- 
laufende Wellen bilden, die sich in der Mitte mit abstei- 
genden Aesten treffen. Der Knick, der hiedurch entsteht, 
kann mehr oder weniger abgerundet werden. In der Form 
der Welle findet manche Verschiedenheit statt; da, wo 
sich aber die Welle gar nicht findet, sondern nur ein 
Bogen oder ein gerader Strich, da ist der Mund für den 
Bildhauer nicht brauchbar. Der leicht geöffnete Mund muss 
seitlich nicht in spitze XVinkel ausgehen, sondern er muss 
jederseits durch eine von oben und innen nach unten 
und aussen verlaufende Linie begrenzt sein. 
Es ist bekannt, dass bei manchen Antiken die Ohren 
höher angesetzt sind, als dies bei Lebenden gewöhnlich 
ist. Man hat dies als Zeugnis für die Abstammung der 
griechischen Kunst von der ägyptischen zu verwerten 
gesucht, aber C. Langer (nAnatomie der ausseren Formen 
des menschlichen Körpersa, NVien 1884) bemerkt bereits 
mit Recht, dass diese Erscheinung bei den archaischen 
XVerken keineswegs allgemein ist und dass gerade bei 
einem der bekanntesten, dem Apollo von Tenea, die 
Ohren correct angesetzt sind.
        

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