Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954528
den Antiken meistens der äussere Augenwinkel stärker 
gegen den inneren zurücktritt, als dies bei der Mehrzahl 
der Leute der Fall ist, die wir täglich zu sehen gewohnt 
sind. Es hat dies den Vortheil, dass sich das Auge besser 
im Profil darstellt. Auf die Richtung der Gesichtslinien 
im physiologischen Sinne des Wortes, der Augenaxen, 
d. h. derjenigen geraden Linien, welche man sich von dem 
angesehenen Punkte zu den Mittelpunkten der beiden 
Augen gezogen denkt, hat dies natürlich keinerlei Einfluss. 
Diese sind unter allen Umständen abhängig von der Lage 
des Gegenstandes, der fixiert, der angesehen wird. Es 
wird nur von der Schläfenseite aus ein grösserer Theil 
des Augapfels in der Lidspalte sichtbar. 
Die Augenlider eines Bilclhauermodells, namentlich 
das obere, seien gegen den Rand hin nicht zu dünn und 
die horizontale Fläche setze sich scharf gegen die verti- 
cale ab. Dem Bildhauer fehlt die Hilfe, welche die Wimpern 
dem Maler für die Zeichnung des Auges darbieten. Wenn 
das Auge aufgeschlagen ist, seien Augenlid und Brauen- 
Wulst durch eine einfache und schön geschwungene Linie 
getrennt, ohne unregelmassige Nebenfaltchen. Ist der Blick 
gesenkt, so steige die Proflllinie vom Brauenwulst zu der der 
Hornhautmitte entsprechenden Stelle des Lidrandes gerad- 
linig und ununterbrochen herab. Im Schlafe richtet sich 
die Hornhaut nach oben, und ihr Ort muss dann an einer 
leichten Erhöhung des Lides bemerklich sein. 
Die Backenknochen dürfen nicht hervorragen und 
die Wangenflächen müssen continuirlich und ohne trennen- 
den Absatz in die Oberlippe übergehen. Das ist Regel 
bei den Antiken, welche Ideale weiblicher Schönheit oder 
schöne junge Männerköpfe darstellen. Nur bei älteren Indi- 
viduen, ferner bei faunischen Gestalten und bei Lachenden 
findet sich jene bei uns so häufige Linie, welche am oberen 
Ende der Aussenseite des Nasenfiügels beginnt, im Bogen 
um den "ausseren Mundwinkel herumzieht und dort endigt. 
Die Darstellung derselben in Gesichtern, die auf ideale
        

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