Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954517
welche von der Stirne zum Nasenrücken herabsteigt, und 
zweitens wegen der Art, wie sich das Auge in der Seiten- 
ansicht und im sogenannten Dreiviertel darstellt, endlich 
drittens, weil durch die Art, wie der Schatten fällt, auch 
in der En face-Ansicht und noch für grössere Entfernun- 
gen der Zusammenhang der Nase mit der Stirne erhalten 
bleibt. Die Linie vom Brauenbogen zur Nase markirt sich 
dann in ähnlicher Weise, wie wir sie in Contourzeichnungen 
zu ziehen pflegen. 
Der Nasenrücken ist gerade und in einer Flucht mit 
der Stirne, nicht im Winkel gegen sie gestellt, und nicht 
durch eine Einscnkung von ihr getrennt, was wesentlich 
ist für das einfach schöne Profil der Antiken, das auch 
noch als Silhouette zur Wirkung kommen muss. 
Die Augen sind horizontal gestellt, nicht schief von 
aussen und oben nach unten und innen. Gerade Weil diese 
Eigenthümlichkeit so häufig betont worden ist, muss ich 
bemerken, dass eine leichte Steigung der Augen nicht zu 
allen Zeiten für hässlich gehalten worden ist. Solche Augen 
finden sich bei den frühen italienischen Meistern, welche 
die Antiken noch nicht studiert hatten und Welche in der 
Fortbildung der von den Byzantinern ererbten Kunst ihren 
eigenen Weg giengen. Giotto und die Giottisten bieten 
zahlreiche Beispiele, auch da, wo es galt, Personen von 
idealer Schönheit darzustellen. lVlan kann sich auch in 
Sta. Maria Novella in Florenz an den, dem Orcagnn 
zugeschriebenen Fresken überzeugen, dass rührende und 
erhabene Schönheit mit mässig schiefstehenden Augen 
vereinbar ist. In diesen Beispielen liegt die Abweichung 
von dem, was wir als künstlerisch normal betrachten, nicht 
sowohl in der Führung des Augenbrauenbogens, als in 
der der Lidspalte, indem letztere an der Schläfenseite 
sich mehr hinaufzieht, als dies in den Werken der Hoch- 
renuissance der Fall ist. 
Weniger häufig als die horizontale Stellung der Lid- 
spalte ist der Umstand hervorgehoben worden, dass bei
        

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