Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954504
lung von Licht und Schatten noch immer die wesent- 
lichen Bestandtheile des Gesichtes und die charakteristi- 
schen Züge selbst aus der Ferne zur Anschauung bringen. 
Ich sage absichtlich durch die Vertheilung von Licht und 
Schatten, denn die Entfernung, aus der die Werke der 
Sculptui- betrachtet werden, ist in der Regel zu gross, 
als dass das Hilfsmittel, welches wir in unseren Augen- 
bewegungen haben, um die Unterschiede der dritten Dimen- 
sion, der Tiefendimension, zu ermessen, sich noch wirksam 
erwiese. Die Tiefenunterschiede, wie sie das menschliche 
Gesicht darbietet, sind eben im Verhältnisse zu einem 
grösseren Abstande zu geringi). 
Unter diesen Rücksichten sind die Ideale der grie- 
chischen Bildhauer erwachsen, die nicht sterben werden, 
so lange es eine plastische Kunst gibt. Die Grundzüge 
sind bekannt. 
Die Stirne ist in der Regel nicht hoch, wenigstens 
nicht der freie, von den Haaren unbedeckte Theil. Die 
Brauenbögen sind schön geschwungen und gehen direct 
und ohne Unterbrechung an der Nasenwurzel in die Seiten- 
linien des Nasenrückens über. Es ist dies wesentlich erstens 
für die Existenz eines guten Profils, wegen der Linie, 
 WVir sehen die Gegenstände mit beiden Augen einfach, d. h. 
an ein und demselben Orte des Sehfeldes, indem wir ihr Bild sich in 
beiden Augen auf die Mitte der Netzhaut, in der sogenannten Mittelpunkts- 
grube (Fowea zßlztralis) abbilden lassen. Die durch die letztere gehende 
Augenaxe muss also auf den Gegenstand gerichtet sein. Ist dies für beide 
Augen gleichzeitig der Fall, so ist der Winkel, den die Axen mit einander 
machen, umso kleiner, je grösser die lilntferanmg ist, und für unendlich 
entfernte Objecte ist er gleich Null, d. h. die Axen sind parallel gestellt. 
Bei Abnahme der Entfernungen wächst der WVinke], so lange (lieselben 
noch gross sind, sehr langsam, erst wenn das Ohject so weit herange- 
rücltt ist, dass die Entfernung der beiden Augen von einander nicht mehr 
als sehr klein betrachtet werden kann gegen den Objectabstand, wächst 
er rascher. Deshalb sind bei grösserem Abstande die WVahrnehmungcn 
über Tiefe und Höhe, d. h. über grössere oder geringere Plntfernung 
vom beschauenden Auge, Wenig deutlich, wenn nicht licht und Schatten 
unserem Verstiindnisse zu Hilfe kommen.
        

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