Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955884
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wenn wegen des Baustyls keine langbeinige Figur in das 
Ganze hineinpassen würde. Aber kurzbeinige Figuren auf 
schwachen Beinen machen immer einen sehr schlechten 
Eindruck. Es gibt ein komisches, sehr bekanntes Bild, auf 
dem zwei stehende Frösche mit dem Fleuret fechten. Man 
denke sich diese Frösche durch Kröten ersetzt: wie hass- 
lich, wie abgeschmackt! Eine Figur auf kurzen und zugleich 
schwachen Beinen erinnert an eine solche stehende Kröte. 
Ein häufiger Fehler der Beine, selbst solcher, die 
sonst wohlgestaltet und deren Oberschenkel von richtiger 
Länge sind, besteht darin, dass die Unterschenkel relativ 
zu den Oberschenkeln zu kurz sind, während das Gegen- 
tl1eil bei normal entwickelten Individuen kaum jemals vor- 
kommt. Berühmte antike Bildwerke sind in Rücksicht auf 
die relative Länge der Unterschenkel dem gewöhnlichen 
Masse merklich voraus. So der vaticanische Apoll und 
die medicäische Venus in ihrer jetzigen Gestalt. C. L ange r 
(l. c. S. 61) bezeichnet das bei ihnen gefundene Verhältnis 
geradezu als widernatürlich. 
Andererseits macht es einen sehr schlechten Ein- 
druck, wenn die zufällig relativ kurzen Unterschenkel eines 
Modells in das Kunstwerk übertragen werden, wie dies 
durch einzelne italienische Meister gelegentlich geschehen ist. 
Der Künstler wird bei der Beurtheilung des Modells 
am besten thun, von dem Grundsatze auszugehen, dass am 
Lebenden der Unterschenkel relativ zum Oberschenkel 
wohl zu kurz, aber niemals zu lang sein kann, wenn der 
Oberschenkel normal entwickelt, nicht etwa durch Ver- 
krümmung 
gekürzt 
ist.
        

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