Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955871
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Zierde gereicht, wird durch die Kürze der Beine ihre 
Gestalt geschädigt. Freilich lässt sich nicht in Abrede 
stellen, dass kürzere Glieder der Entwickelung der plasti- 
schen Formen der letzteren günstiger sind als lange. Bei 
diesen sieht es nicht selten aus, als 0b die unter der Haut 
liegende Musculatur hätte gereckt werden müssen, um für 
die langen Glieder zu genügen. 
Wenn uns Modelle vorgeführt würden, welche die 
Proportionen des Apoll vom Belvedere oder des Apoxyo- 
menos hätten, so würden wir diese gewiss als NVunder von 
Schönheit anstaunen, falls sie auch die Formen der ge- 
nannten Antiken zeigten; aber solche Modelle finden wir 
nicht. Wo wir mit dem Leben zu thun haben, können wir 
sicher sein, dass bei so gestreckten Gliedern bereits die 
Formen gelitten haben. 
Die Weiber haben im Durchschnitt kürzere Beine als 
die Männer und dies berücksichtigt auch die künstlerische 
Darstellung. Aber wie es in der Natur Ausnahmen gibt, 
so macht sich auch die Kunst ihre Ausnahmen. Solche 
finden sich nicht etwa nur in der Kunst der Spätrenaissancc 
und des Barockstyls, sondern auch unter den Antiken. 
Eine Frauengestalt, welche die mittlere relative Beinlängc 
der Männer und selbst eine etwas grössere zeigt, ist des- 
halb weder unnatürlich noch unschön. Eine hässlich kurz- 
beinige weibliche Figur Endet sich auf den Fresken des 
nPalazzo Farnesea in Rom. Es ist diejenige, welche neben 
dem tamburinschlagenden Herkules sitzt, wahrscheinlich 
eine Omphale. Dagegen ist die Juno desselben mytholo- 
gischen Cyklus, entsprechend dem Wuchse, den man ihr 
zuschrieb, in den Proportionen einer grossen Frau gehalten. 
YVenn man einer Figur relativ kurze Beine macht, 
muss man ihr kräftige Glieder geben. Sie entspricht 
dann wenigstens einer normalen Wirklichkeit, der des 
gcdrungenen Baues kräftiger Gestalten. Solche Figuren 
können als Karyatiden an gewissen Bauwerken nicht nur 
von guter YVirkung, sondern auch die allein möglichen sein, 
13m C110; Schönheit und l'ehlei' d. inenwhl. Liest-alt. 10
        

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