Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955867
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kann sagen, dass für keinen Körpertheil so wenig gute 
Modelle gefunden werden, als für den Fuss. Menschen, 
die von Jugend auf nicht nur im Sommer, sondern auch 
im Winter barfuss gegangen sind, gibt es bei uns kaum, 
und selbst wenn sie vorhanden wären, würde ihr Fuss, 
wegen der zahlreichen Insulten, welche er erlitten hat, 
den antiken nicht ersetzen, der sich auf der Sandale in 
voller Freiheit und doch geschützt entwickelt hatte. Es 
ist deshalb den Künstlern zu empfehlen, den Fuss wesentlich 
an Antiken zu studieren und da, WO sie das Leben zu 
Hilfe nehmen, die Nachahmung von allem zu vermeiden, 
was auffällig von den antiken Mustern abweicht. 
Darüber, welche Beinlänge die verwendbarste sei, sind 
die Künstler ziemlich einer Meinung. Sie sagen von einer 
männlichen Statue oder von einem männlichen Modelle 
nes hat die Mitte richtigu, und verstehen darunter, dass 
der äussere Ansatz des männlichen Gliedes in der halben 
Höhe der ganzen aufgerichteten Figur liege. Je nachdem 
sie mehr hohe oder mehr gedrungene Gestalten darstellen 
wollen, machen sie die Beine länger oder kürzer. 
Einzelne italienische Meister haben sich durch ihre 
Modelle verführen lassen, die Beine in tmschönei- Weise 
zu kürzen. Der hervorragendste unter ihnen ist Giulio 
Romano. Die Werke seiner späiteren rnantuanischen Zeit 
zeigen mehrfach diesen Fehlerjk). Ich habe an verschiedenen 
Stellen Gelegenheit gehabt, die Vorzüge der italienischen 
Modelle gegenüber den deutschen hervorzuheben; hier 
aber muss ich erwähnen, dass die Italiener ebenso wie 
die Franzosen vorherrschend kurzbeinig sind, kurzbeiniger 
als die Engländer, Deutschen, Polen und Südslaven. Sie 
haben auch kürzere Arme, aber während ihnen dies zur 
 Wer nicht Gelegenheit hat sich hievon in lVTantna selbst zu über- 
zeugen, der besuche den vPalazzo Michieli rlalle colonnew am Cnnal grande 
in Venedig. Die dort beflndlicheil sehr schönen Arazzi sind nach Zeich- 
nungen von Giulio R0 mano gefertigt. Studien zu den letzteren finden 
sich in Wien in der Albertina.
        

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