Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955851
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graphic nach einem armen Fellahmädchen, bei dem die 
grosse Zehe auffallend länger War als die zweite, und doch 
hatte das Mädchen sicher niemals Schuhe nach europäischem 
Muster getragen, wahrscheinlich überhaupt keine. 
Von einer künstlerischen Fiction der Bildhauer des 
Alterthums kann nicht die Rede sein. Ein italienischer 
Bildhauer sagte mir, dass grössere Länge der zweiten 
Zehe in Italien zwar Ausnahme sei, aber doch öfters vor- 
komme. 
Zweifelhaft kann es nur sein, 0b dieser Bau des 
Fusses bei den Griechen und Römern des Alterthums der 
häufigere war, oder 0b er nur von den Bildhauern dem 
gewöhnlichen vorgezogen wurde. Jedenfalls ist der Künstler 
berechtigt, den Fuss so darzustellen, denn es ist nicht 
seine Aufgabe, das Gewöhnliche wiederzugeben, sondern das, 
was er unter dem Vorkommenden für das Schönste hält. 
Eine hervorragende grosse Zehe, von der die Linie der 
Zehenenden schräg bis zur kleinen Zehe hinläuft, ist ent- 
schieden hässlich. 
Zu den Fehlern, Welche ganz in der Regel durch 
das Schuhwerk hervorgerufen werden, gehört die Ablenkung 
der grossen Zehe gegen die Mittellinie des Fusses und 
das damit zusammenhängende knorrige Hervorragen des 
Gelenkes, welches die grosse Zehe mit dem Mittelfusse 
verbindet, ferner Zusammendrängung der Zehen überhaupt 
und Verkrümmung der letzten, bisweilen auch der vorletzten 
Zehe. Auch die Trockenheit, die relative Magerkeit der 
Füsse bei sonst gut genährten Menschen kommt oft wesent- 
lich auf Rechnung des Schuhwerkes. Schon in das Gebiet 
des Krankhaften gehört es, wenn der Fuss nicht richtig 
und fest an den Unterschenkel angesetzt ist, nicht die 
ganze Sohle gleichmässig auftritt, sondern mehr der innere 
Rand derselben, was dann bei niedrigem Rist und Ver- 
streichen der Sohlenhöhlung das Bild geben kann, welches 
der Chirurg mit dem Namen des Pes vulgus bezeichnet. 
Es ist das, was man auch sonst Plattfuss nennt. Man
        

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