Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955742
132 
beim weiblichen. Es soll hier zwar kein grosser Zwischen- 
raum vorhanden sein, wie dies bei den sogenannten Sitbel- 
beinen der Fall ist; andererseits ist es aber auch nicht 
nöt11ig, dass wirklich Berührung zustande kommt. Eben- 
so verhält es sich mit der Berührung der Waden. Es ist 
hier der Ort, auf ein paar Hilfslinien aufmerksam zu 
machen, mittelst welcher man nicht nur ein lebendes Bein, 
sondern auch jedes gestreckte Standbein einer Statue be- 
urtheilen kann, dessen Zehen nach vorne gewendet sind. 
Es sind dies zwei gerade Linien, die auf dem höchsten 
Punkte des Fussristes einander treffen. Die eine geht von 
der Mittelebene des Körpers in der Höhe der Schamtheile 
aus, die andere von der Stelle, des seitlichen Umrisses 
der Hüfte, an welcher der grosse Rollhügel unter der 
Haut liegt. Nun dürfen die Knie bei geschlossenen Beinen 
so weit von einander entfernt sein, dass die Kniescheibe 
in die Mitte zwischen diese beiden Linien fallt, weiter nicht. 
Die Kunst der Renaissance, selbst die der Früh- 
renaissance, weist freilich einige stärker geschwungene 
Beine auf, aber ich finde nicht, dass man ihr hierin folgen 
soll. Die deutsche Renaissance zeigt gelegentlich geradezu 
krummbeinige Gestalten. Man hat sie in neuerer Zeit bei 
der Ausführung von Objecten im Geschmacke der deutschen 
Renaissance an Ornamentalfiguren nachgeahmt, um dem 
nStyl gerechte zu werden. 
Diese stylgerechten Beine sind meistens in doppelter 
Beziehung fehlerhaft, erstens ist das Knie zu weit nach 
rückwärts durchgebogen, als 0b sein vorderes Kreuzband 
(Lzgalrzelztzulz crucialuzn anierizzs) zu lang wäre, und zweitens 
stehen die Knie mehr nach aussen als recht ist. 
Bisweilen ist aber letzteres nicht der Fall, und doch 
ist auch die Ansicht des Beines von vorne schlecht, und 
zwar deshalb, weil das Bein so modelliert ist, als ob das 
Schienbein in seinem oberen T heile in einer Weise nach 
innen concav wäre, wie es zwar vorkommt, wie es aber 
weder schön noch normal ist.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.