Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955700
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der Grösse von zwei rechten, das heisst von 180 Grad. 
XVenn wir die Gestalt des Beines betrachten, so müssen 
wir zunächst von der Stellung ausgehen, in der bei auf- 
rechtem Stehen die Zehen nach vorne gewendet, beide 
Füsse in ihrer ganzen Länge unterstützt sind und das 
vordere Kreuzband angespannt ist. 
Es ist dies dieselbe Stellung, von der wir auch bei 
gespanntem Ligamazztuuz ilio-fcuzorale ausgehen mussten, 
wenn wir die Beckenneigung beurtheilen wollten, weil der 
Mensch, wenn er beim Stehen die Knie beugt, seinem 
Becken eine geringere Neigung gegen den Horizont geben 
kann, als demselben von Natur zukommt. 
Das vordere Kreuzband des Kniegelenkes ist bei den 
Modellen nie zu kurz, wohl aber häufig zu lang. Zu kurz kann 
es nie sein, weil es bei allen normal entwickelten Menschen 
schon in früher Jugend so weit gedehnt wird, dass es die 
vollständige Streckung des Beines gestattet. Ob es zu lang 
ist, das ermittelt man in folgender Weise. Man bringt das 
Modell in die erwähnte Stellung, begibt sich in Profil- 
ansieht und sucht die Mitte in der grössten Breite des 
Oberschenkels, doch noch unterhalb der Stelle, wo der 
hintere Contour des Oberschenkels in den Contour der 
Hinterbacke übergeht. Von dieser Mitte denkt man sich 
eine gerade Linie zum äusseren Fussknöchel (zUzzlle-"olzzs 
arternus) gezogen. Diese Linie kann man sich zur An- 
schauung bringen, indem man einen schwarzen Faden mit 
beiden Händen ausspannt und ihn in solcher Lage vor 
das Auge bringt, dass er sich als die besagte Linie auf 
das Bein projiciert. Sie theilt dann den Oberschenkel in 
eine vordere und eine hintere Hälfte und muss durch die 
Mitte des Knies gehen. je mehr sie nach vorne gegen die 
Kniescheibe zu fällt, umsomehr ist das vordere Kreuzband 
zu lang und deshalb das Knie nach rückwärts durchgebogen. 
Es muss übrigens bemerkt werden, dass eine-nur ge- 
ringe Abweichung in diesem Sinne, namentlich bei kräftigen 
Männerbeinen, nicht unter allen Umständen schlecht ist.
        

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