Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955655
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Nichtsdestoweniger hat sie manche Künstler der 
Gegenwart und der Vergangenheit veranlasst, ihre Frauen- 
gestalten mit ungewöhnlich breiten Hüften darzustellen. 
Aber die Rümpfe von Geigengestalt, wie man einzelne 
namentlich aus dem Ende des Mittelalters und der deut- 
schen Frührenaissance findet, sind in der That sehr hässlich. 
Die Breite der Hüften muss auch beim Weibe immer in 
einem bestimmten Verhältnisse bleiben zu drei Dimensionen, 
zur Länge der ganzen Gestalt, zur Scliulterbreite und zum 
neigung, welche abhängt von dem Spielraume, den das Ligamentzzxxz ilio- 
ßmorale gewährt, also von dessen Länge, durch welche sie ein- für 
allemal gegeben ist. Es ist dies jenes Minimum von Beckenneigung, 
welches erzielt wird, wenn das Individuum, auf gestreckten und geschlos- 
senen Beinen und auf geschlossenen Füssen stehend, das untere Ende 
seines Rumpfes so weit nach vome schiebt, wie dies bei vollkommen 
gestreckten Knien möglich ist. Sie ist nicht zu messen durch den YVinkel, 
welchen die Beckenaxe oder die Conjugafa mit dem Horizonte machen, 
sondern durch die Winkel, welche die auf die Mittelebene des Körpers 
projicierten Oberschenkel mit diesen Linien machen. (Vergl. Hermann 
Meyer in Zürich: aDie Beckenneigunga. Reichert und de Bois: 
vArchiv für Anatomie und Physiologiecv, Jahrg. 1861, S. 137.) 
2. Duchenne bringt die Concavität der Wirbelsäule in noth- 
wendigen und directen Zusammenhang mit der Beckenneigung, während 
dieser Zusammenhang, so unzweifelhaft er besteht, doch nur ein relativer 
ist. Auch bei wenig geneigtem Becken kann die XVirbelsäule concav sein, 
wenn der Kopf nach vorne geschoben ist und mehr noch, wenn zugleich 
grosse schwere Weiberbrüste zu äquilibrieren sind. Dann müssen die Schultern 
so weit nach rückwärts ausweichen, dass das Gleichgewicht hergestellt ist. 
Andererseits kann aber auch bei hinreichender Biegsamkeit der XNirbelsiiule 
ein anatomisch, das heisst in dem von mir definierten Sinne, wenig geneigtes 
Becken auf eine grössere Neigung willkürlich eingestellt werden, so dass 
dann bei aufrechter Haltung der Lendentheil der Wirbelsäule stärker ein- 
gebogen erscheint. 
Duchenne rühmt die Biegsamkeit der YVirbelsäule und die Con- 
cavität des Lendentheiles in seiner Verbindung mit dem Kreuzbeizie, die 
Sattelbildung, wie er es nennt, an den Spanierinnen, namentlich an den 
Andalusierinnen. Er sagt (1. c. S. 575): vIch habe spanische Damen 
gesehen, deren lgendenkriimmung und deren Streckbewegung der Lenden- 
wirbel so bedeutend war, dass sie sich hinten überbiegen konnten, bis 
sie mit dem Kopfe den Boden berührtenm
        

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