Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955620
I2O 
Die Alten liebten überhaupt starke Beckenneigung 
nicht, weder bei Männern noch bei Frauen, denn sie haben 
sie in der idealen Kunst selten zur Darstellung gebracht. 
In Rücksicht auf den Winkel, unter dem die Schamberg 
und Schenkel trennenden Linien auf einander treffen, 
herrscht bei ihnen grosse Verschiedenheit. Bei den er- 
wähnten Grazien ist er sehr stumpf, bedeutend grösser 
als ein rechter. Auch die Venus Nr. 134 der Ufficien (sie 
hängt sich das Schwert des Mars um, neben ihr steht 
eine mit einem Tuch bedeckte Urne) zeigt ihn beträchtlich 
grösser als die medicäische. Kleiner als ein rechter ist er 
bei der Venus vom Esquilin im capitolinischen Museum. 
Diese ist die naturalistische Darstellung eines kräftigen, 
wohlgebauten, noch jungen Mädchens mit tadellosen Kör- 
perverhältnissen, aber einem im Verhältnis zu anderen 
Antiken etwas grossem Kopf, so dass man urtheilen muss, 
das Original sei nicht über mittelgross gewesen. 
Ein langes Darmbeinschenkelband (Ligameutuzu 272'0- 
feuwrale), und ein solches ist es ja, was bei gleicher Form 
des Beckens eine geringere Beckenneigung bedingt"), hat 
auch einen vortheilhaften Einfluss auf den Gang. Ist das 
besagte Band kurz, so ist, wie wir gesehen haben, die 
natürliche Beckenneigung stark. Soll nun der Schritt einiger- 
massen gross werden, so bedingt die Stellung des zurück- 
bleibenden Beines für den Augenblick eine noch stärkere 
Beckenneigung. Der Schwerpunkt des Körpers darf nicht 
über ein bestimmtes, von der Geschwindigkeit der Fort- 
 Ich spreche hier von der anatomischen oder wahren Becken- 
neigung, welche gemessen wird durch den YVizikel, welchen die Axe des 
Beckens mit der Richtuugslixxie der Oberschenlaelbeine macht, wenn das 
Lzlgamenfzzlßz iliafalzzorale gespannt ist. Man muss dieselbe nicht nur unter- 
scheiden von der jeweiligen, sondern auch von der habituellen Becken- 
neigung. Viele Menschen strecken nur ganz ausnahmsweise ihre Schenkel 
bis zum Anspannen des Ligamelztuuz ilio-fenzarale und pflegen mit einer 
grösseren Beckenneigung, als ihre anatomische ist, zu stehen. Auch in der 
vorschriftsmässigen Haltung des deutschen Soldaten ist das Lgrameßztzzm ilia- 
fenwrale nicht gespannt, wie dies schon Hans Vircliow bemerkt hat.
        

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