Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955615
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und innen abgeflacht sind, einen keilförmigen Raum, in 
dem der nach abwärts gezogene Schamberg zwischen ihnen 
eingeschlossen ist. 
Anders verhält es sich bei geringer Beckenneigting, 
besonders dann, wenn die Innenseite der Oberschenkel 
mit einem reichlichen Fettpolster belegt ist. Solche Ober- 
schenkel bilden, wenn das Becken nicht zu breit ist und 
die Hälse der Oberschenkelbeine nicht zu horizontal stehen, 
in ihrem oberen Theile einen vollständigen Schluss, der 
wesentlich mehr an der Obertiäche liegt, weniger in die 
Tiefe gerückt ist als bei starker Beckenneigung. 
Ich halte diesen letzteren Typus für den schöneren, da 
die Gestalten, an denen er vorkommt, allgemeiner verwend- 
bar sind, als die nach dem ersten Typus gebauten. Sie haben 
besser geformte Schenkel und einen vollkommeneren Schen- 
kelschluss, sie treiben beim Stehen und Gehen den Bauch 
nicht nach vorne und geben nicht nur von vorne, sondern 
auch von der Seite eine bessere Ansicht der ganzen Figur. 
Nur müssen die Schenkel, wenn man die Seitenansicht 
benützen will, kräftig sein, indem ihr Durchmesser von 
vorne nach hinten kleiner ist als er bei starker Becken- 
neigung sein Würde, Weil die Sitzbeine mehr nach vorne 
gerückt sind. Wenn man nach künstlerischen Beispielen 
für die Beckenneigung fragt, so zeigt Wohl die Eva in den 
Loggien des Vatican, Welche dem Adam die verbotene 
Frucht pflückt, diejenige, über welche man nicht hinaus- 
gehen sollte. Eine ähnlich starke Beckenneigung muss man 
der Eva in der darauffolgenden Austreibung aus dem 
Paradiese zuschreiben, nur lässt sie sich hier wegen der 
schreitenden Bewegung nicht so sicher beurtheilen. 
Beispiele von geringer Beckenneigung, unter die man 
nicht hinabzugehen braucht, bieten die drei Grazien in der 
Dombauwerkstätte von Siena (früher in der Sakristei) dar, 
namentlich die, welche uns auf der lombardischen Photo- 
graphie den Rücken zuwendet und diejenige, welche auf 
derselben zur rechten Hand steht.
        

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