Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955566
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macht, nähert sich die Gestalt dem ersteren oder dem 
zweiten Typus an. 
XVenn beide Linien sichtbar und vollständig getrennt 
sind, so gestalten sie sich etwa folgendermassen: Die 
eigentliche Beckenlinie beginnt vom vorderen Ende des 
Darmbeinkammes, der, wie dies bei mageren Individuen 
der Fall ist, selbst hervortreten kann, oder dessen Formen 
durch die Bedeckungen verhüllt sind. Die Linie beginnt 
nicht etwa als Falte, sondern als leichte Depression, folgt 
im ganzen der Richtung des Schenkelbogens (arcus ingui- 
nzzlis, auch Fallopisches oder mit weniger Recht Poupart- 
sches Band genannt, ein sehniger Streif, der jederseits vom 
vorderen oberen Darmbeinstachel zu den im Schamberge 
aneinander-schliessenden vorderen Schambeinenden gespannt 
ist), wendet sich aber dabei bogenförmig nach innen und 
fliesst in der Grenze zwischen Bauch und Schamberg mit 
der der anderen Seite zusammen. 
Bisweilen sieht man vom Anfange unserer Linie noch 
eine Depression quer nach aussen streichen, die mit ihr 
einen stumpfen Winkel bildet. Diese entspricht dann dem 
mehr rechtwinkligen Knick, den die Beckenlinie an männ- 
lichen Antiken zeigt. Es Wurden oben Beispiele von einer 
solchen Gestaltung gegeben (Fig. 20 und 21). 
Die zweite Linie ist die, welche ich soeben beschrieben 
habe. Sie beginnt an der Innenseite des Schenkels, steigt 
zwischen diesem und dem Schamberge schräg hinauf und 
wendet sich dann nach aussen, quer verlaufend und den 
Schenkel mehr gegen den ganzen Rumpf als gegen den Bauch 
abgliedernd. Die deutliche Entwickelung dieses Theiles der 
Linie und ihr massgebender Einfluss auf die Gliederung 
der ganzen Figur bedingt den selteneren Typus, der aber 
in Werken des Alterthums und der Renaissance oft in 
hoher Schönheit hervortritt. Das Wesentliche des gewöhn- 
lichen Typus ist, dass der äussere Theil der zweiten Linie 
nicht oder undeutlich ausgeprägt ist und die zwischen 
Scham und Schenkel aufsteigende Linie mehr oder weniger
        

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