Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954443
man dies nicht an dem Schwunge, mit dem sie in einzelnen 
Ziveigen des Kunsthandwerkes arbeiten? Erkennt man es 
nicht an einzelnen ihrer Bildhauerwerke, clie aus einem 
WVuste unvernünftigen, fast unmöglichen Zeugeex") wie ein- 
same Sterne hervorleuchten? 
Die Ursachen des Verfalles der bildenden Künste 
sind mannigfacher Natur. Sie können hier nicht alle erörtert 
werden und sind auch zum Theile von, der Art, dass man 
nicht mit Erfolg gegen sie ankämpfen kann. Kein ver- 
nünftiger Mensch wird glauben, dass wir Leute im Frack 
und Pantalons, mit dem Cylinderhute auf dem Kopfe, eine 
Kunst haben könnten, wie sie das Alterthum oder wie sie 
das I5. und 16. Jahrhundert hatte. Aber gegen einzelne 
lässt sich ankämpfen, und es ist der Zweck dieser Blätter, 
anzukämpfen gegen die Verwilderung in der Darstellung 
der menschlichen Gestalt. 
Der jetzt alles beherrschende Realismus wird von 
vielen unserer Künstler so verstanden, dass sie glauben, 
um so Dankenswerteres zu leisten, je getreuer sie ein 
Modell copieren. Alles, Schönes und Hässliches, wird nach- 
gemacht, damit man nur nicht nconventionellw werde. Und 
wie gefährlich ist dies Copieren des Modells! Wie gefährlich 
ist es schon jenseits der Alpen, und wie ist es diesseits 
der Alpen noch viel gefährlicher! Deutsche Bildhauer, die 
sich längere Zeit in Rom aufhielten und deren dort aus- 
geführte Werke in Rücksicht auf Adel und Feinheit der 
Formen alles Lob verdienten, gehen bisweilen, nachdem 
sie wieder eine Zeitlang in der Heimat gelebt haben, auf- 
fallend zurück, ihre Formen vergröbern sich, und es tauchen 
Fehler auf, die am Körperbau der Deutschen häufiger sind 
als am Körperbau der Italiener. Das ist das Kleben am 
Modell. Dem lebenswarmen Körper gegenüber nehmen wir 
manches in den Kauf, was uns der kalte Marmor nicht 
bieten darf. Es ist ein niederer Vergleich, aber man ver- 
selbst einmal bezeichnen 
Wie ich es einen Italiener 
hörte 
Roba
        

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