Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955511
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als 
beim Stehen 
auf beiden Füssen. 
Dadurch 
wird an dieser 
Seite ein Polster hervorgedrängt, welches als seitliche 
Abdachung des Scharnberges erscheint und über Welchem 
sich der absteigende Ast der Beckenlinie nach innen gegen 
die Mittellinie zu wendet, während die Furche ZWlSClICH 
Schenkel und Hodensack, nach aufwärts verfolgt, unterhalb 
jenes Polsters bleibt und sich nach aussen gewendet in 
die Linie fortsetzt, welche, beim Aufheben des Ober- 
schenkels und Knies bis zum rechten Winkel, als Beugungs- 
falte zwischen Rumpf und Oberschenkel einspringt. 
Diese Erscheinung ist sehr deutlich an dem Discus- 
Werfer zu sehen, der, aufrecht stehend, den Discus in der 
linken herabhängenden Hand hält, während der rechte 
Arm im Ellenbogengelenke gebeugt ist, und Hand und 
Finger gesticulieren, als 0b die Figur über den zu machen- 
den Wurf sprechen wollte. Auch der berühmte Hermes 
von Olympia mit dem Kinde Dionysos zeigt dieselbe.  
NVQ die soeben beschriebene Unterbrechung auf 
beiden Seiten deutlich hervortritt, pflegen die absteigenden 
Aeste der typischen Beckenlinie durch einen nach unten 
convexen Bogen vereinigt zu sein, der sich zwischen Bauch 
und Schamberg hinzieht. 
Die für uns praktisch wichtigste Frage ist offenbar 
die: Soll der Künstler in seinen Werken den typischen 
Schnitt der Beckenlinie der Antiken nachahmen oder nicht? 
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Linie von 
guter Wirkung ist. Sie gliedert, auch für die Ferne, die 
Figur deutlich und verkleinert die breite Oberfläche des 
Bauches. Sie hat etwas Kerniges, und wenn wir sie an 
einem lebenden Manne sehen, so können wvir uns nicht 
verhehlcn, dass sie mit zur Erhöhung des Ausdruckes von 
Kraft und Männerschönheit beitrage. Der Künstler hat 
sicher das Recht, seinem XVerke das mitzugeben, was er 
für das Schönste hält, auch wenn er es nur einmal gesehen 
hat, oder wenn ihm auch nur ein einziges tmzweidetitiges 
Zeugnis vorliegt; aber es ist ihm kaum gestattet, etwas zu
        

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