Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955469
104 
Es War überdies noch eine andere Möglichkeit in 
Betracht zu ziehen. Der gerade Bauchmuskel hat drei 
sehnige Zwischenstreifen (fnscriptiorzcs Zemifzzene). Bisweilen 
ist noch ein vierter vorhanden, der dann mitten zwischen 
Nabel und Schamfuge liegt und meist nur in der äusseren 
Partie des Muskels sichtbar ist. Da dieser Streif noch jetzt, 
wenn auch in der Minderzahl der Fälle vorkommt, kann 
er im Alterthume regelmässig vorhanden gewesen sein, und, 
da solche Streifen fest mit der vorderen Wand unserer 
Tasche, der Vagina zlzzzsczzli rerti zzädozninzk, verwachsen 
sind, so ist es nicht undenkbar, dass sie die Oberfläche 
beeinflussen. Es ist dies nicht so zu verstehen, dass der 
vierte Zwischenstreifen als solcher sichtbar sein sollte, denn. 
da, wo er ist, verlauft die Beckenlinie nicht. Es ist nur 
gemeint, dass durch ihn eine stärkere Spannung erzeugt 
werden könnte und dadurch der quere Verlauf der Becken- 
linie über das vordere Ende des Darrnbeinkammes hinaus 
verlängert werde.  
Ein schwer zu beseitigender Einwand spricht indessen 
gegen diese Anschauung: Ueberall, wo man bei den An- 
tiken die äussere Grenze der Scheide der geraden Bauch- 
muskeln erkennt, reicht der einspringende Winkel der 
BCCkCTIllHlC nicht bis an sie heran, sondern es bleibt noch 
ein Zwischenraum von etwa zwei Querfingern. 
Sollen wir in einer dieser Möglichkeiten die Ursache 
der Abweichung der antiken Beckenlinie von der modernen 
suchen, oder sollen wir glauben, dass sich durch die ganze 
Plastik des Alterthums ein Irrthum fortpflanzte, der in 
frühester Zeit begangen wurde? 
Die Entscheidung wird uns dadurch nicht leichter 
gemacht, dass wir erfahren, wie der typische Schnitt der 
Beckenlinie die Plastik des Alterthums nicht ausnahmslos 
beherrscht hat. 
Ich erinnere mich, in der vaticanischen Sammlung 
einen sehr schönen Torso gesehen zu haben, der nichts 
von demselben zeigte, sondern getreu nach einem jetzt
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.