Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt
Person:
Brücke, Ernst Wilhelm Paar, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1954161
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1955433
IOI 
Nic. Poussin zeigt, welches man die narkadischen Hirtenu 
benennt. Bei zu grossei" Beckenneigung schiebt sich nämlich 
statt des Beckens der Bauch nach vorne und im Rücken 
bemerkt man eine entsprechend starke Einsenkung über 
dem Kreuzbeine in der Gegend der Lenclenwirbel. 
Bei zu geringer Beckenneigung schiebt sich das 
Becken in unschöner Weise vor, und Rumpf und Schenkel 
machen einen auffälligen Winkel mit einander. Aber dieser 
Fehler ist viel seltener. Eine zu starke Beckenncigung 
verschlechtert auch den unteren Theil des Rückens, indem 
sie das Kreuzbein zu stark vorspringen lässt, Während 
eine zu geringe ihn dadurch verschlechtern kann, dass sie 
ihn flach erscheinen lässt. 
Die typische antike Beckenlinie ist an männlichen 
Figuren von der Art, dass man zunächst glauben muss, 
man habe ein schwach geneigtes Becken vor sich mit vorne 
ungewöhnlich weit nach innen reichendem Darmbeinkamme. 
Dass die Beckenneigung gering sei, dafür spricht in der 
Regel die Haltung der ganzen Figur. Wenn ferner der ein- 
springende YVinkel der Beckenlinie, wie man dies sogleich 
vermuthet, vom vorderen oberen Darmbeinstachel herrührt, 
so muss die ganze Schaufel des Darmbeines weniger nach 
unten und aussen gestellt sein als bei uns, mehr nach oben 
und innen gewendet; dass es aber nicht nur menschliche 
Becken gegeben habe, die so weit von der jetzigen Form 
abwichen, sondern dass sie die gewöhnlichen waren, da- 
für fehlt es uns an Beweismitteln. 
Ich habe unter den aus dem Alterthume herrührenden 
Knochen, die mir zu Gesichte gekommen sind, es waren 
freilich nur italische, keine griechische, keine Becken- 
schailfel gefunden, welche für diesen Bau gesprochen hätte. 
Unter den Skeletten der Necropolis Felsinea. zeigte 
nur Eines eine etwas stärkere Krümmung des Darmbein- 
kammes nach vorne und innen, als sie jetzt vorzukommen 
pflegt, aber nicht eine so starke, wie sie der antike Schnitt 
bei besagter Deutung voraussetzen würde.
        

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