Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948392
Knochenlehre. 
Spezielle 
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wenigen Hilfsmitteln ist ein unendlicher Wechsel in der Form erreicht. 
Ist doch jedes Individuum durch kleine Änderungen der Teile desselben 
charakterisiert. Das Geschlecht prägt ihm seinen Typus auf, das Alter 
und die Rasse. Es lasst sich nur ein im allgemeinen zutreffendes Bild 
des Schädels entwerfen, namentlich auch seines Gesichtsteiles, denn die 
Verschiedenheiten sind zahlreich, wie die Gesichter der Lebenden. Der 
Knochen ist dabei das Fundament für jede K0pf- und für jede 
Gesichtsbildung; hat der Lebende eine Stumpfnase, sind auch die 
Nasenknochen von übereinstimmender Form; ist der Nasenrücken gerade 
und in einer Flucht mit der Stirne, wie in dem einfachen Profil der 
Antike, dann ist auch die Bildung am Schädel die gleiche; ist aber die 
Nase des Lebenden tief eingesetzt, und im Winkel gegen die Stirne ab- 
gesetzt, dann ist das auch am Knochen ebenso geprägt. Dasselbe gilt 
von allen anderen Teilen; die Backenknochen können anliegen oder her- 
vorragen, der Unter- und Oberkiefer kann gerade herabsteigen oder vor- 
oder zurückspringen, proportioniert sein zu dem Obergesicht oder das 
Maß überschreiten. Von all diesen Eigenschaften hängt schöne oder 
haßliche Gesichtsbildung ab, wobei schöne und haßliche Knochenformen 
an einem und demselben Antlitz aneinanderstoßen. Der Künstler sollte 
sich mehrere Schädel auf die Verschiedenheit hin ansehen, denn in dem 
folgenden kann, um nicht zu viel Raum in Anspruch zu nehmen, nur die 
Mittelform beschrieben werden. 
Der Schädel ist aus 21 verschieden gestalteten Stücken zusammen- 
gesetzt. Mit Ausnahme eines einzigen, des Unterkiefers, sind sie bei dem 
Erwachsenen fest und unbeweglich zusammengefaßt und so innig verbunden, 
daß unter günstigen Umständen selbst Jahrtausende den Zusammenhang 
nicht lösen. Die zumeist breiten und flachen Knochen bilden die Wandungen 
von Höhlen für die Aufnahme des Gehirns und der Sinnesorgane. 
Hirnschädel. 
Die Form der Hirnkapsel ist, von oben her betrachtet, in der Drauf- 
sicht, ein unverkennbares Oval, das aber bei den verschiedenen Arten des 
Menschengeschlechtes, auch denen Europas, entweder mehr kurz und 
gebauoht oder mehr lang und schmal ist. Schädel der ersteren Art nennt 
man Rund- oder Kurzköpfe (Brachycejahalen), letztere Langschädel (Dolioho- 
cephalen). Der obere Teil heißt Schädeldach (Calivaria) im Gegensatz 
Zu der Grundfläche (Basis). Die einzelnen Regionen der Hirnkapsel 
werden ebenso wie an dem Kopf des Lebenden als Stirn, als Scheitel, 
als Hinterhaupt und als Schlafen unterschieden. Das umfangreiche 
Gehirn liegt in einem großen Raum, den man schlechtweg Schädelhöhle 
nennt (Oawm craniz"). Die weite ovale Kapsel, welche sich bis zur Stirn 
und bis zum Hinterhaupt erstreckt, wird von dem Gehirn samt den Ge- 
faßen und Hirnhauten ausgefüllt. 
KOLLMANN, Plastische Anatomie. II. Auü. 5
        

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