Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948365
Abschnitt. 
Zweiter 
überläuft dabei die Oberfläche des Körpers; sie wird blaß, denn die si 1h 
verkürzenden Muskeln heben nicht allein die Haartasche in die Höhe, 
sondern verhindern durch Zusammenziehen des in ihrem Bereich beünd- 
liehen Gewebes teilweise den Zutritt- des Blutes in die oberen Schichten 
der Lederhaut. 
Die Farbe der Haare durchläuft alle Nüancen vom Schneeweiß bis 
Pechschwarz. Sie rührt im ersteren Fall von dem Fehlen des Farb- 
stoifes her, in letzterem Fall von einer diffusen Färbung, welche die 
kleinen Zellen und Zellenkerne erfüllt oder in mikroskopisch kleinen 
Körnern durch den ganzen Haarschaft zerstreut ist. Daher rührt der 
Grundton der Haare. Dazu kommt aber, daß dieser Grundton durch 
mannigfache Einflüsse geändert werden kann. Um den auffallenden 
Wechsel der Färbung zu verstehen, muß man sich daran erinnern, daß 
die Haare ebenso wie die Oberhaut und die Nägel bis zu einem ge- 
wissen Grade durchsichtig sind, und zwar um so mehr, je heller sie sind, 
ferner, daß sie im stande sind, Wasser, Öle und andere Substanzen in 
sich aufzunehmen und längere oder kürzere Zeit zurückzuhalten. Die 
beträchtliche Umänderung der Farbe nach der Durchfeuchtung ist all- 
gemein bekannt, und dies gilt von den Haaren des Menschen wie der 
Tiere. Daß das jHaar, so wenig wie Oberhaut und Nagel, nicht als 
ein abgestorbener Ejektionsstoff der Haut angesehen werden könne, be- 
weisen die mit der Lebensthätigkeit der Haut übereinstimmenden und 
durch sie bedingten Lebenszustände desselben. Aus dem Verhalten der 
Haare ziehen Ärzte, Haarkünstler und Laien ihre Urteile. Sie sind 
Weich und glänzend bei kräftiger, gesunder BeschaHenheit des Indivi- 
duums, trocken und spröde beim Verfall der Kräfte. Selbst kurz vor- 
übergehende Störungen des Wohlbefindens können sich in ihrem ver- 
änderten Zustand abspiegeln. Das plötzliche, nach wenigen Stunden 
erfolgte Ergrauen der Haare durch Verzweiflung oder durch die Schrecken 
ängstigender Phantasmen im  Säuferwahnsinn  zeugt deutlich von 
der lebendigen Thätigkeit im Haar. 
Die Enden langer Haare sind in der Regel heller als ihr Anfang. Sie verlieren, 
weiter vom Körper entfernt, ihr natürliches Fett, ebenso die von der Haarwurzel aus 
in sie übertretende Ernährungsiiüssigkeit. .Es entstehen dann kleine Risse, in welche 
Luft eindringt, Wodurch die lichtretlektierende Kraft vermehrt wird. 
Die Form des Haarschaftes ist wie seine Stärke den verschiedensten Schwan- 
kungen unterworfen. Bei dem Europäer ist die Form in der Regel etwas abgeplattet, 
so daß der Querschnitt des Haares oval wird; in manchen Fällen ist freilich der 
Schaft vollkommen rund. Dabei kann er gerade sein und steif wie die Mähne eines 
Pferdes nach abwärts fallen, zuweilen jedoch sind die Haare leicht gelockt, ja selbst 
gekräuselt. Wollhaare, wie sie den Haarschmuck des Negers oder .des Papua aus- 
zeichnen, sind bei uns als seltene Ausnahmen zu verzeichnen. Sie haben bei den 
farbigen Naturvölkern, wie die Untersuchung gezeigt hat, einen nahezu platten, zu 
beiden Seiten zusammengedrückten Schaft, der offenbar durch ungleiches NVachsturn 
sich häufig dreht und biegt. Seltsame eckige und kantige Formen des Haarsehaftes
        

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