Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948356
Die 
Haare. 
völker treiben einen gewissen Grad von Kultus mit ihrem Haar, salben 
und färben und zieren das Haupthaar mit Perlen und Geschmeide, und 
die "Wilden" sind doch das Spiegelbild, in welchem wir unsere ersten 
Schritte auf dem schwierigen Weg zu edleren Sitten wiedererkennen. 
Die klassische Kunst aller Zeiten hat vorzugsweise jenen Teil des Haar- 
schmuckes in den Bereich ihrer Darstellung gezogen, der auf dem Kopf 
vorkommt oder als Bart das Gesicht des Mannes ziert. Selbstverständ- 
lich gehören hierzu auch die Augenbrauen und die Haare der Lider, die 
Augenwimpern. Was sonst noch als "Haarkleid" den menschlichen 
Körper bedeckt, sei es als kleine Wollhaare oder als stärkere Haar- 
felder, wird meist mit gutem Grunde weggelassen, weil es entweder zu 
derb sinnlich auf den Beschauer wirkt oder geradezu, wie die Haare der 
Achselhöhle, unangenehme Vorstellungen hervorruft. 
Die Haare (Pilz) entspriessen der Haut als geschmeidige Hornfäden, 
deren Erzeugung und Wachstum wie bei der Oberhaut und den Nägeln 
von der beständigen Zufuhr des ernährenden Säftestromes abhängt. Ver- 
mindert dieser sich, wie in schweren Krankheiten, dann fallen die Haare 
aus, kehren jedoch wieder mit der vollen Wiederkehr der Gesundheit. 
Hört die Zirkulation in den die Haare produzierenden Hautstellen durch 
Verödung der Gefäße auf, so verschwinden die Haare nach und nach; 
der Schädel wird aus diesem Grunde ofthaarlos und die Haut umspannt 
glatt das gewölbte Dach. Jedes rHaar steckt mit der sogenannten 
Wurzel (Radix) in einer kleinen Tasche, der Outis, während der Schaft 
(Scapus) als freier Teil über die Oberfläche hervorragt. Die kleine Haar- 
tasche besitzt eine sehr zierliche Organisation, die sich besonders durch 
zwei Eigenschaften auszeichnet: In nächster Nähe derselben liegen Talg- 
drüsen, welche ihr fettiges Sekret in die Haartasche entleeren, wodurch 
das hervorwachsende Haar beölt wird. Der Glanz der Haare beruht auf 
dieser Beölung durch Hauttalg. Wo die Haare klein sind, wie am 
Körper, kommt der Uberfluß dieses Fettes der Haut zu gute, welche da- 
durch fettigen Glanz erhält. Das Wasser läuft von ihr ab wie von einem 
Wachstuch, und bleibt nur in großen Tropfen hängen. 
Die zweite Eigenschaft besteht in einem Zuzug von Muskelfasern, 
welche sich in dem Grunde der Haartasche und nach der gefäßlosen 
Oberhaut hin, in dem dichten Gewebe der Cutis, fortsetzen. Sie sind im 
Stande, die Haartasche samt ihrer Umgebung gegen die Hautoberfläche 
emporzuheben. Dann erscheint das Haar auf der Mitte eines kleinen 
Hügels, der mit dem Aufhören der Verkürzung dieses Muskels wieder 
verschwindet. Diese kleinen Muskeln, die Haarbalgmuskeln (AT-reg. 
tores pili), kommen überall vor, wo Haare zu finden sind, und diese 
fehlen bekanntlich nur an der Handfläche und Fußsohle. Ziehen sich 
diese kleinen Muskeln zusammen, so wird die ganze Haut mit kleinen 
Erhebungen übersät (Gänsehaut). Eine bekannte Empfindung von Kälte
        

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