Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948242
52 
Abschnitt. 
Zweiter 
Diese Verwachsung schreitet langsam von oben nach abwärts fort, 'bisweilen gelingt 
sie nicht in der ganzen Ausdehnung. Irgend eine Störung vermag den sonst regel- 
mäßigen Gang zu unterbrechen, und die Längsspalte bleibt in größerer oder geringerer 
Ausdehnung oüen. Auch der Schädel entwickelt sich aus zwei symmetrischen Hälften. 
Von der Mitte der Stirn bis zum Hinterhaupt zieht beim Neugeborenen eine noch 
unverknöcherte Linie dem Schädeldach entlang. Löst man sie, so lassen sich die 
beiden Hälften öffnen wie die Schalen einer Muschel. Niemals verschwindet diese 
Spur der symmetrischen Entwickelung vollkommen, eine Strecke weit bleibt sie selbst 
während des späteren Lebens noch erkennbar. So wird die Kenntnis der Symmetrie 
und ihrer Entstehung ebenso wichtig für das volle Verständnis der Form, wie die 
paarige Anwesenheit vieler Organe wertvoll für die Erhaltung des Lebens, Bei 
manchen Lungenkrankheiten übernimmt die gesunde Lunge auch das Geschäft der 
erkrankten. Sie erfüllt diese doppelte Aufgabe nicht selten mit solcher Vollendung, 
daß der Betroffene keine Ahnung hat von der großen Lebensgefahr, in der er sich 
dadurch befand, daß die eine Hälfte des Atmungsapparates ihren Dienst einstellte. 
Diese Symmetrie ist jedoch keine unbedingte; die beiden Körperhälften zeigen auch 
bei vollkommen normalen Menschen Verschiedenheiten Die beiden Gesichtshälften 
sind bei den vollendetsten griechischen Statuen etwas ungleich. Bei der Venus von 
Milo beträgt: 
die seitliche Abweichung der Nase nach links etwa.       
der linke Augenbrauenrand steht höher um           
der innerste Teil des linken inneren Augenwinkels steht der Mittel- 
linienäherun1.......           
5 mm 
2 mm 
3,5 mm. 
Der größte Unterschied zwischen rechts und links auf mittlere, menschliche Körper- 
größe berechnet, beträgt an der Statue V2 Cm. Weitere Untersuchungen an einem 
wohlgebildeten, regelmäßigen Schädel und am lebenden Menschen ergaben, daß alles, 
was unter der Nase liegt, streng symmetrisch ist, während die übrigen Kopfteile 
asymmetrisch sind, Diese Asymmetricn stehen in einer bestimmten Beziehung zu der 
Asymmetrie der Wirbelsäule. Sie ist in der Regel links übergeneigt. Auch an dem 
Becken sind die beiden Hälften ungleich. Diese Ungleichheiten sind von großen 
Künstlern wie A. Dünen klar und deutlich gezeichnet worden und lassen sich über- 
haupt an allen genauen bildlichen Darstellungen des menschlichen Körpers und seines 
Skeletes nachweisen. Bekannt ist die größere Länge des rechten Armes bei Rechts- 
händern und des linken bei Linkshändern. Das rechte Bein kann länger sein als das 
linke und umgekehrt. Siehe hierüber l-Lxssr: l. s. e. S. 14, ferner Hasse: -Archiv für 
Anatomie und Physiologie (Anatomische Abteilung) 1887, ebenda 1891 und 1893 mit 
Litteraturhinweisen auf verwandte Arbeiten von HENKE, GAUPP, H. v. Mensa und die 
alten Autoren: HUMPHRY, Scnnnow; Guwßnnez G. A., Etudes sur 1a Dyssymetrie chez 
l'Homme et les Vertebres superieurs. Christiania 1897. 
Die vordere Mittel- oder Langslinie des Körpers tritt nicht in 
der ganzen Ausdehnung mit gleicher Deutlichkeit hervor, obwohl sich 
die Spuren von der Nasenwurzel bis an das Rumpfende verfolgen lassen. 
Im Gesicht ist sie Zwischen der Nase und der Mundspalte angedeutet. 
Dann folgt ein weiter Abstand und erst an der Brust läßt sich wieder 
ihre Spur erkennen. Zwischen den Brustmuskeln lauft bei dem Manne 
eine nach unten etwas breiter werdende Furche gerade herab, um in der 
sog. Herzgrube zu endigen. Dann verstreicht sie etwas, um über dem 
Nabel wieder deutlich zu werden und dann von dieser einstigen Ver-
        

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