Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948170
Haut. 
Die 
45 
Fettschichte nimmt bei dem weiblichen Körper gegen die Schamgegend 
hin beträchtlich an Mächtigkeit zu, um in dem Schamberg (Jllons Veneris) 
zunächst einen Abschluß zu linden; so heißt die durch reichlichen Fett- 
einschluß gepolsterte Erhöhung, deren Form bei gesunder Fülle dreieckig 
iSt mit oberer Basis, während die Spitze sich zwischen den Schenkeln 
verliert (Figg. 21-22). Die Figuren 23 u. 24 zeigen die Bauchlinie, die 
Leistenlinie und die Schenkelbeuge von einem jungen lllanne. 
Die Hautfalten, ihre Tiefe, ihr Schwung und ihre Häufigkeit 
hängen, wie bei einer Draperie, von der Richtung des Zuges und. der 
Schwere des Stoffes ab. In der Jugend verhalt sich die Haut wie ein 
weicher, elastischer Stoff, an welchem die Wirkungen eines Zuges oder 
Druckes, welcher Falten erzeugt hatte, fast spurlos vorübergehen. Das 
kindliche Gesicht und das der Jugend ist glatt. Erscheinen auch bei den 
Äußerungen der Freude und des Schmerzes Falten: sobald der Gleich- 
mut wiedergekehrt ist, sind auch sie wieder geschwunden. Mit dem fort- 
schreitenden Alter verliert sich diese überraschende Eigenschaft der Haut 
mehr und mehr; die Elastizität nimmt allmählich ab und die häufige 
Wiederkehr derselben Furchen führt endlich dahin, daß ihre Spuren be- 
ständig sichtbar bleiben. So ist also der Vergleich mit einer Draperie 
nur in einer Hinsicht zutreffend, paßt jedoch nicht mehr, sobald die her- 
vorragende Eigenschaft der Elastizität in Betracht kommt. 
Um die Entstehung und Anordnung der Falten zu verstehen, ist es 
notwendig, die Verbindung der Haut mit der Unterlage zu besprechen. 
Mit den darunterliegenden Weichteilen und Knochen besitzt sie durch 
Faserzüge zahlreiche Verbindungen. Abgesehen von den (irefäßen und 
Nerven sind es bald feinere, bald dickere Fasern, welche dem Binde- 
gewebe angehören. Allein trotz dieser zahlreichen Verbindungen ist sie 
dennoch in hohem Grade verschiebbar, staut sich bei Verkürzungen 
des Rumpfes vorn auf, während sie sich am Rücken spannt und umge- 
kehrt. Die bei Verkürzung des Leibes und der Glieder entstehenden 
Wülste der Haut, die man kurzweg Falten nennt, folgen dabei gewissen 
Regeln, welche einige Beispiele am besten zeigen. 
Beim Rückwartsbeugen des Kopfes legt sich die Nackenhaut in 
Querfalten (Fig. 11). Ist die Rückwärtsbeugung sehr stark, dann rücken 
sie zwischen dem Hinterhaupt und dem letzten Halswirbel dicht anein- 
ander und verlieren sich, allmählich auslaufend, an der Seite des Halses.  
Bei dem starken Rückwärtsbeugen des Rumpfes entstehen dicke Haut- 
falten am hinteren Ende des Brustkorbes, denn die Haut des Rückens 
ist besonders dick und verschiebbar. 
Beim Seitwärtsbiegen, wenn sich die Schulter dem Becken nähert, 
schiebt sich die Haut ebenfalls in zwei dicken, ausgedehnten Falten an- 
einander, wie die folgende Figur 25 S. 47 zeigt. Die eine Falte ist bedingt
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.