Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953465
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Zweiter Teil. 
Fünfter Abschnitt. 
scheinung, das sich jedem geübten Beobachter auch dann. aufdrangt, wenn 
er nur die gebleichten Schädel vor sich hat. Eine solche Verschiebung 
des Gleichgewichts zwischen Hirnschadel und Gesichtsschädel ist in einem 
auffallenden Grade bei der Prognathie zu beobachten. Ihr Wesen wurde, 
soweit dies bei dem heutigen Stande unserer Kenntnisse gestattet ist, mit 
Hilfe des CAMPmfschen Gesichtswinkels am Schädel bestimmt.  (Siehe 
Seite 77.) Am Lebenden wirken die vorgeschobenen Kiefer noch weit 
starker, weil die Weichteile das Vertreten der Kauwerkzcuge noch steigern. 
Bei dem Negergesicht ist dies wegen der kleinen Nase und den verdickten 
Lippen so auffallend, daß die Größe der Stirn und des Schädels dem 
Beschauer fast gar nicht mehr auffällt, und er nur große Kauwerkzeuge 
vor seinen Augen sieht. An Zeichnungen ist dies nicht in dem Grade 
auffallend, wie in der Natur, doch geben die Figuren 267 und 268 eine 
gute Vorstellung von dem Mißverhältnis der einzelnen Organe unter- 
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Fig. 267. Negerknabe aus Darfur, 15 Jahre alt, 
nach Somuaow. 
einander und mit denjenigen des Europäers. Bei dem Knaben aus 
Darfur zeigt die Proiillinie, welche von der Stirn senkrecht nach abwärts 
zieht, die beträchtliche Prognathie, welche durch die gewulsteten Lippen 
noch gesteigert wird. Der Mittelpunkt der ganzen Prognathie, der vor- 
gestreckte und gewulstete Mund, wirkt um so mächtiger, weil gleichzeitig 
die Nase so sehr verläfgiä wert ist. Der Nasenrücken ist tief eingebogen 
und breit, erhebt sich alöä der Ebene des Gesichtes nur sehr wenig, und 
das Nasenende ist nur {schwach erhoben, dehnt sich dagegen in die Quere 
aus, so daß die NasenöHnungen dieselbe Richtung einschlagen müssen. 
Was oben an der Nase fehlt, wird unten durch vermehrte Breite in 
durchaus unvorteilhafter Weise ersetzt, und dient nur dazu, den Eindruck 
der Prognathie zu vergrößern, statt ihn abzuschwachen. Bei dem Neger 
von Mozambique (Fig. 268) ist die Prognathie des Gesichtsskeletes 
ebenso stark wie bei dem Knaben aus Darfur, und doch wirkt sie 
etwas weniger, weil der Nasenrücken nicht so stark abgeplattet ist. 
In Europa kommt ebenfalls Prognathie vor, sie ist nicht so selten,
        

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