Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953443
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Zweiter Teil. 
Fünfter Abschnitt. 
male regelmäßig auf ihre Nachkommen vererben. In dieser Vererbungs- 
fähigkeit gewisser Merkmale, die immer auftauchen, die selbst unter 
ungünstigen Umständen mit gleicher Zähigkeit immer wiederkehren, die 
der Zeit, dem Wechsel des Klimas, dem Wechsel der Nahrung wider- 
stehen, liegt für die klassiiizierende Anthropologie die Berechtigung, von 
Varietäten zu sprechen. Andere werden vielleicht andere Namen für die 
einzelnen Formen wünschen und an die Stelle setzen, allein damit werden 
nur die Begriffe eine Änderung erfahren, nicht aber die Merkmale, welche 
in den europäischen Abkömmlingen der Menschenspezies wie in denen 
anderer Kontinente unzerstörbar, stets aufs Neue sich verjüngen. Brünette 
und blonde Individuen mit langem und breitem Gesicht, und beide Formen 
sei es mit langem, mittellangem oder kurzemHirnschädel verbunden, sind 
in ganz Europa verbreitet samt ihren zahlreichen Mischlingen. Es mag 
schwierig sein, in einem bestimmten Fall den Grad der Rassenreinheit 
des Individuums festzustellen, stets lassen sich aber wenigstens einige der 
oben angegebenen Merkmale nicht bloß in den Weichteilen, sondern auch 
im Skelet des Hauptes auffinden. Und diese sind es, welche nicht 
minder wie Farbe der Augen, der Haare und der Haut für den Künstler 
die Individualität kennzeichnen.  Wo wir hinkommen mit dem Spaten, 
da sind immer schon Lang- und Breitgesichter. Aus einer solchen zu- 
fällig zusammengetroffenen Gesellschaft haben sich allmählich die Horden, 
die Stämme, die Völker, kurz die großen und die kleinen ethnischen Ein- 
heiten entwickelt. Sie hatten Zeit dazu, denn es liegt eine unendlich 
lange Periode hinter uns. Es ist also kaum zu hoffen, daß irgendwo in 
Europa noch ein Volk existiere, das sich reiner Abstammung in der 
Weise rühmen könnte, daß sämtliche Glieder einer und der nämlichen 
Varietät angehören. Für Europa und Asien ist eine solche Hoffnung 
wohl ausgeschlossen. Wenn Wogulen und Baschkiren und Mesch- 
tscheräken schon aus verschiedenen Varietäten zusammengewürfelt sind, 
dann werden wohl auch die Thäler der Donau, des Rheins und die da- 
zwischen liegenden Gebiete keine reinen, ungemischten Volksstämme mehr 
beherbergen. Daß in dem alten Europa selbst das letzte Dorf schon mit 
den Abkömmlingen von Blonden und Brünetten gefüllt ist, das hat die 
große Statistik über die Farbe der Augen, der Haare und der Haut an 
den Schulkindern gezeigt, welche auf die Anregung R. Vmonow's1 in 
Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde. 
Über alle diese Gebiete breiten sich, wie diese Statistik gezeigt hat, die 
Abkömmlinge europäischer Varietäten aus, die sich in zwei große Gruppen, 
in die Blonden und Brünetten, gliedern. Pieses Ergebnis wird die Unter- 
suchung an den Schädeln bestätigen. Überall finden wir Lang- und 
R. Vmcnow, Gesamtberieht über die Farbe der Haut, der Ilaare und der 
der Schulkinder in Deutschland. Archiv für Anthropologie, Braunschweig 1885. 
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Augen
        

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