Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953439
Über 
Menschenrassen. 
557 
knorpelige Nase ist wie die knöcherne kurz. Die Spitze ragt in die 
Höhe, so daß die Nasenlöcher und die Nasenscheidewand freier liegen, 
als bei den Langgesichtern (Figr27l). Die abstehenden Wangenbeine be- 
dingen ein mehr breites Gesicht, in welches die etwas erhöhten Wangen- 
höcker eine wohlthuende Abwechselung bringen. 
Die Figur 263, Sokrateskopf von der Seite gesehen, zeigt ein 
Kurzgesicht unter einem Langschädel. Verhindern auch Bart und Profil- 
zeichnung die volle Betrachtung aller Einzelnheiten, so ist doch ersichtlich, 
daß die Gesichtsform kurz ist, denn die Unterlippe, welche unter dem 
Schnurrbart zum Vorschein kommt, steht so hoch, daß die Vermutung, 
der Unterkiefer sei ebenfalls niedrig, gewiß berechtigt ist. Die Nase ist 
kurz, ihr Rücken eingebogen, die Spitze nach aufwärts gewendet, genug 
Zeichen, daß dieser gewaltige Ritter vom Geist, dessen philosophische 
Gedanken ihn Jahrtausende überlebt haben, das Antlitz eines Abkömm- 
linges einer europäischen Rasse besaß, die heute wie damals über ganz 
'Europa verbreitet war. Ist es vom rassenanatomischen Standpunkte aus 
schon wichtig, eine Bestätigung dafür zu haben, daß es in Griechenland 
nicht lauter Leute mit griechischer Nasenform gab, so ist noch besonders 
beruhigend, daß die höchste Weisheit auch hinter einer Stirn thronen 
kann, die über einer Stumpfnase ihren Sitz aufgeschlagen hat. Die 
Thätigkeit des Gehirns ist übrigens nicht nur unabhängig von der Gestalt 
des Gesichtsschädels, sie ist auch unabhängig von der Form des Hirn- 
schädels. Ob dolicho- oder meso- oder brachycephal, das Gehirn denkt 
mit gleicher Kraft, wenn es nur groß genug ist und hinreichenden Raum 
besitzt. Was bei den Kurzköpfen an Länge dem Hirnschädel abgeht, 
ersetzt er eben durch Breite und Höhe.  Dieselben Kurzgesichter, wie 
sie der Sokrateskopf aufweist, kommen unter der europäischen Mensch- 
heit ebenfalls mit zwei verschiedenen Komplexionen versehen vor, nämlich 
als Brünette und als Blonde.  
Aus den obigen Mitteilungen ergiebt sich, daß über Europa die Ab- 
kömmlinge mehrerer Varietäten verbreitet sind, die wir nach ihren Merk- 
malen im Gesicht und 'am Schädel unterscheiden. In erster Linie helfen 
zu einer Klassifizierung die Rassenmerkmale des Knochens, in zweiter 
Linie diejenigen der Farbe der Augen, der Haare und der Haut. Es ist 
hier nicht die Aufgabe, eine solche Klassifikation durchzuführen, sondern 
lediglich daran zu erinnern, daß unter den Bewohnern aller Kulturstaaten, 
und zwar aller Orten, diese verschiedenen. Formen zu finden sind. Die 
Angabe von dem Vorkommen mehrerer Varietäten in Europa mag wohl 
bei manchem Beobachter auf Widerspruch stoßen, denn man hat stets 
vorausgestzt, daß die. Unterschiede zwischen Rassen viel tiefer greifen 
müßten, als dies bei dem "Kaukasier" der Fall ist. Allein was früher 
als eine große, alles umfassende Einheit erschien, löst sich bei genauerem 
Zusehen doch in eine bestimmte Anzahl von Formen auf, die ihre Merk-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.