Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953386
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Zweiter Teil. 
Fünfter 
Abschnitt. 
und überragt die Nackenlinie sehr beträchtlich. Es ist dies wegen der 
Haare an Figur 263 nicht mit jener Schärfe zu sehen, wie es wünschens- 
wert wäre, allein der Unterschied zwischen dem Hinterkopf des SOKRATES 
und dem des brachycephalen Mannes (Fig. 261) ist unverkennbar. Kurz- 
köpfe, wie jene der Fellachen, oder Langköpfe, wie jener des SOKRATES, 
sind heute noch unter den Lebenden zu finden; jedes anatomische Museum 
kann solche Exemplare aufweisen. Die Naturtreue des sokratischen Hirn- 
Schädels ist wohl kaum in Zweifel zu ziehen, denn der Künstler hat 
sicherlich nicht nur das Gesicht, sondern auch den Scheitel als charakte- 
ristisches Zeichen der Individualität kopiert.  Köpfe mit einer mittel- 
langen Hirnkapsel lassen sich nur durch Vergleichung mit Lang- und 
Kurzschädeln bestimmen. Überdies bedarf es genauer Messungen, will 
man sie sicher klassifizieren. Da die Beschreibung dieses Verfahrens in 
das Gebiet der Kraniometrie, der Sohädelmeßkunst, gehört, verweisen wir 
auf die Fachzeitschriften, von denen am Schluß dieses Abschnittes einige 
aufgeführt werden. 
Zu diesen Rassenmerkmalen am Hirnschädel kommen die viel wich- 
tigeren Rassenmerkmale des Gesichtsschädels. An jede der drei Hirn- 
schädelformen kann sich entweder ein Breitgesicht oder ein Langgesicht 
anschließen. Die Rassenmerkmale an dem europäischen Lang- und Kurz- 
gesicht wurden im allgemeinen schon in der Knochenlehre berührt, hier 
sollen sie in dem neuen Zusammenhang noch einmal aufgezählt werden, 
und zwar ausgehend von dem Knochen. 
Bei den Langgesichtern (Figg. 261 u. 262) herrschen in allen Teilen 
des Gesichtsschädels die Höhendimensionen vor. Der Oberkieferknochen ist 
hoch geformt, seitlich etwas zusammengedrückt; der die Zähne tragende 
Abschnitt, sowie der zu der Stirn hinaufragende Fortsatz sind lang. In 
dem Zahnfortsatz stecken längliche Zähne, namentlich ist dies an den 
Schneidezähnen zu bemerken. Die Nasenbeine sind gerade und in einem- 
spitzen Winkel gegeneinander gestellt. In derselben Neigung reihen sich 
auch die Stirnfortsätze des Oberkiefers an die Nasenbeine an, wodurch 
der Nasenrücken erst seine Höhe und Schmalheit erhält. Eine notwendige 
Folge der hohen Nase ist geringe Distanz der Augenhöhlen (Fig. 262) und 
damit der Augen selbst. Die Länge und die steile Stellung der Nasen- 
fortsätze des Oberkiefers bringt es ferner mit sich, daß der Eingang der 
knöchernen Nase birnförmig erscheint (Fig. 264). Der Jochfortsatz des 
Oberkiefers ist kurz, das Wangenbein wendet nur einen sehr kleinen Teil 
seiner Fläche nach vorn zu, der größere Teil ist an die Seitenfläche des 
Gesichtes gestellt. Die Jochbogen sind angelegt und durch die Haut 
hindurch nur bei magerem Antlitz zu sehen; bei der gewöhnlichen Fülle 
läßt eine leicht erhabene Linie den in der Tiefe der Haut liegenden Joch- 
bogen erraten. Die Form des Unterkiefers steht mit der Höhe und 
Schmalheit des Gesichtes im Einklang: damit die Zahnreihen sich treffen,
        

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