Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953261
540 
Teil. 
Zweiter 
Vierter Abschnitt. 
Der Schienbeinstachel ist ein deutlich sieht- und fiihlbarer Knochen- 
punkt und wichtig für die Formen des Kniegelenkes, denn an dem Schien- 
beinstachel setzt sich das Kniescheibenband fest (Figg. 256 und 258). Leider 
ist er wenig verwendbar für Messungen am Lebenden, wie ein Vergleich 
mit den Figuren 251 und 252 ergiebt. Der Schienbeinstachel ist    
von der Grundfläche entfernt; in seine Nähe fällt die sechste Kopfhöhe 
vom Scheitel aus gemessen, allein der Schienbeinstachel ist nicht als Maß 
für die Länge des Unterschenkels zu verwenden, weil die Gelenkspalte 
höher liegt, und der Unterschenkel zu kurz werden würde, wenn der 
Sehienbeinstachel als Meßpunkt benutzt würde. Immerhin ist der Schien- 
beinstachel ein wertvoller Anhaltspunkt. 
Teile 
22 
Die 
Proportion 
des 
J UNKEIVschen 
Skeletes. 
Die Proportion des wohlgebauten Menschen darf nicht allein nach 
Schöpfungen der Kunst oder nach Mittelzahlen gelehrt werden, sondern 
muß sich auch direkt an dem einzelnen Individuum, das ja ein Repräsen- 
tant der Spezies ist, bewähren. Alle bisher erwähnten Kanones sind, wie 
schon einmal hervorgehoben, Abstraktionen, stellen gleichsam den Mittel- 
menschen dar, der alle schönen körperlichen Eigenschaften des mensch- 
liehen Geschöpfes in seiner Gestalt vereinigen soll. Allein nicht alle 
Menschen sind nach diesem Schema gebaut, die einzelnen Teile variieren 
innerhalb einer bestimmten Grenze, eine Eigenschaft, welche man als 
Variabilität bezeichnet hat. 
Es giebt drei verschiedene 
menschlichen Organismus: 
Abstufungen 
dieser 
interessanten 
Eigenschaft 
des 
1) die Variabilität der Individuen (individuelle Variabilität). Die Be- 
wohner eines Landes herab bis zu denen einer Familie sind in den Hauptmerkmalen 
einander gleich, in untergeordneten Merkmalen verschieden. 
2) die sexuelle Variabilität. Die Geschlechter unterscheiden sich in be- 
stimmten Merkmalen, und daher rührt der Unterschied des Mannes von der Frau in 
Bezug auf viele Eigenschaften, bis auf die Muskeln und Knochen hinab. 
3) Die Variabilität der Menschenrassen; sie ist der Grund _der körper- 
lichen Unterschiede zwischen den Weißen, Schwarzen und Kupferfarbenen und anderen 
Menschenrassen. 
Die ersten zwei Sorten von Variabilität existieren auch in der Funktion der 
verborgensten Organe wie des Gehirns. Die Variabilität des Denkens und Wollens 
besteht zwischen den Individuen wie zwischen den Geschlechtern. Ob auch die 
Rassen in dieser Hinsicht anders organisiert sind, ist schon oft behauptet worden, 
doch noch keineswegs über allen Zweifel erhaben. 
Den Ausgangspunkt für die Untersuchung der Proportionen bildet 
das Einzelwesen. Deshalb ist in den Text das von JUNKER geometrisch, 
also mit dem Orthoskop, gezeichnete Skelet eines jur gen Mannes auf- 
genommen worden, das Messungen mit Zirkel und Maßstab gestattet, und 
für die Herstellung beliebiger Vergrößerungen brauchbar ist (Figg. 256- 
259). Es sind drei Ansichten, die eines Skeletes: von vorn, von der Seite
        

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