Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953158
Proportionslehre 
menschlichen Körpers. 
des 
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kürzer. Dies kann wohl geschehen, denn die Beine wechseln ansehnlich 
ihre Länge im Vergleich zu dem Körperstamm. BRÜCKE behauptet ganz 
bestimmt, daß die Italiener und die Franzosen vorherrschend kurzbeinig 
sind im Vergleich mit den Engländern, Deutschen, Polen und Südslaven. 
Es ist aber richtiger zu sagen, daß "die langen Männer auch lange Beine 
haben, die kurzen, gedrungenen Männer dagegen auch kurze Beine besitzen. 
Nachdem in Mittel- und Südfrankreich kurze Gestalten unter den Männern 
vorherrschen, ist die Bemerkung BRÜCKES in diesem Sinne zutreffend. 
Kurze, gedrungene Gestalten haben auch kürzere Arme, die ihnen zur 
Zierde gereichen. Wenn man einer solchen Figur relativ kurze Beine 
macht, muß man ihr kräftige Glieder geben. Dann entspricht sie wenig- 
stens der normalen Wirklichkeit des gedrungenen Baues kräftiger Ge- 
stalten. Kurzbeinige Figuren auf schwachen Beinen machen einen 
schlechten Eindruck. Die für den Oberschenkel gegebenen Maße gelten 
nur für die aufrechte Stellung. In der Kniebeuge ist der Oberschenkel 
länger. Die Kniescheibe verläßt nämlich ihre Lage und rückt tiefer, wie 
dies in der Knochenlehre gezeigt wurde. Dadurch erscheint der Ober- 
schenkel um 1-1-5 Teile länger, wie dies deutlich aus der Skizze eines 
stürzenden Titanen nach Gulno RENI (Fig. 246) hervorgeht. Der Unter- 
schenkel bleibt zwar auch in dieser Stellung noch immer länger als der 
Oberschenkel, denn wie die Figur zeigt, reicht der Unterschenkel weit 
über die Mitte des Gesäßes hinaus, allein der Schenkelknochen zeigt von 
seiner Länge eben ein Stück mehr, das früher die Kniescheibe verdeckt 
hatte. Wir beurteilen die Oberschenkellänge am Lebenden nach der Lage 
der Kniescheibe; sie ist der vorspringendste und deshalb auffallendste 
Punkt, an sie heftet sich das Urteil und nicht an die Gelenkspalte. Da- 
durch entstehen freilich manche Unsicherheiten, die sich aber nicht durch 
Messen überwinden lassen, sondern durch das Studium der Natur. 
Zu diesen Schwierigkeiten der Bestimmung der Länge des Ober- 
schenkels gehört auch der Umstand, daß die Kniescheibe in der aufrechten 
Haltung nicht immer die nämliche Stelle einnimmt. Sie kann tiefer stehen 
oder durch die Zusammenziehung des Unterschenkelstreckers um 1 Centi- 
meter und mehr in die Höhe gezogen werden. Läßt der Zug nach, so 
kehrt sie an ihre frühere Stellung zurück. Es kann durch die höhere 
Stellung ein sehr fester Stand zum Ausdruck gebracht werden, wobei der 
Oberschenkel kürzer, der Unterschenkel länger als vorher erscheint, weil 
die Kniescheibe höher steht.  Die Verschiebungen der Kniescheibe 
verdienen bei der Beurteilung der Oberschenkellänge volle Aufmerksam- 
keit, aber die Thatsache bleibt unverändert, daß der Unterschenkel länger 
ist als der Oberschenkel, sobald der lebendige Mensch dargestellt werden 
soll und-nicht das Skelet.  
Die Länge des Fufses. Für den Fuß kommen zwei Längenmaße in 
Betracht: 1) die Länge der Fußsohle, sie beträgt bei der Figur 251 
KOLLMANN, Plastische Anatomie. II. Autl. 34
        

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