Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953115
Proportionslehre 
Körpers. 
menschlichen 
des 
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höhen und mehr. Es ist dies begreiflich bei der Thatsache, daß das 
neugeborene Kind nur vier Kopfhöhen mißt, und daß das Wachstum 
allmählich diese Art der Proportion umändert in eine ganz andere. Wenn 
der Kopf dann am Schluß der Wachstumsperiode auch in der Regel lfs 
des Körpers beträgt, so wird dieser Zustand doch nicht immer erreicht, 
das Wachstum des Körpers und seiner einzelnen Abschnitte kann auf 
irgend einem Punkt stillstehen, der Oberkörper kann lang werden und 
die Beine kurz bleiben oder umgekehrt. Im Alter ändern sich die Pro- 
portionen des reifen Mannes aufs Neue. Ist der Kiefer zahnlos geworden, 
so wird die Kopfhöhe beträchtlich kleiner und damit der Modul und seine 
Beziehung zu der Gesamthöhe eine andere. Auf Grund dieser Unsicher- 
heit wurde die Kopfhöhe als Maßstab für die menschliche Gestalt ver- 
lassen. Die Einteilung der Gestalt in 100, oder wenn man größere Ge- 
nauigkeit wünscht, in 1000 Teile, ist entschieden vorzuziehen, weil sie 
für alle Alter und für alle Proportionen paßt. Aber es war noch ein 
anderer Grund, der den Wert des alten Modul abschwächte. Die Figuren 
mit acht Kopfhöhen entsprechen nicht immer dem Geschmack der Zeit 
und der Künstler. MICHELANGELO erschienen sie zu kurz, er machte 
den Rumpf um eine Nasenlänge höher und steigerte die Länge des Unter- 
Schenkels (Fig. 253), überdies ist der Kopf etwas niedrig, so daß die 
Körperhöhe der Figur 253 weit über acht Kopfhöhen beträgt. Wenn 
mit dem Zirkel die wahre Kopfhöhe mit Weglassung des emporstehenden 
Haarbüschels festgestellt wird, welche durch den Kontur der Stirn be- 
zeichnet ist, dann ergeben sich mehr als neun Kopfhöhen, und dabei 
steht die Figur noch nicht einmal gerade. Wäre sie aufgerichtet, käme 
sie wohl auf zehn Kopfhöhen. Freilich hat sie dadurch etwas Gewaltiges 
und Hünenhaftes gewonnen (Fig. 253). 
Ob der Künstler nun seinen Figuren acht oder neun Kopfhöhen 
geben will, dieser Modul ist immer bis zu einem gewissen Grade brauch- 
bar und wird kaum jemals aus den Ateliers verschwinden. Er ist in der 
Gestalt enthalten, und kann überdies leicht noch in kleinere Maße zer- 
legt werden. Auf Grund der allgemeinen Erfahrung, daß das Gesicht 
drei gleiche Längen enthalte, ist die Nasenlänge z. B. schon oft benutzt 
worden, um noch ein kleineres Maß zu besitzen. Dieser Modul entspricht 
31], bis 4 Teilen der in 100 Teile gegliederten Körperhöhe (Fig. 251). 
Beinlänge heißt die Entfernung vom Damm bis zur Fußsohle, sie 
wird oft auch als "Schrittlänge" bezeichnet. Für den Lebenden ist dies 
eine offenbar zutreffende Bezeichnung, denn die Beinlänge wird gemessen 
von dem Rumpfende, das, soweit es zwischen den Beinen liegt, auch als 
„im Schritt" bezeichnet wird. Dort nimmt das frei aus dem Körper her- 
vortretende Bein seinen Anfang. Nirgends sonst ist am Lebenden der 
Beginn des „freien Beines" so sicher zu bestimmen, wie dort. Weder 
vorn, noch an der Seite besteht eine scharfe Grenze, nur rückwärts zieht
        

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